Nachhaltigkeit ein Herzensthema

Nachricht 24. März 2017
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Die befristete Stelle von Klimaschutzmanagerin Sonia Erdmann läuft aus und sie wird am kommenden Mittwoch verabschiedet. Foto: Jens Schulze/HkD

„Ehrenamtliche in Kirchengemeinden zu motivieren und zu befähigen, Beschaffung nachhaltig und Mobilität klimafreundlich zu gestalten“, so beschreibt Sonia Erdmann, Umweltreferentin und Klimaschutzmanagerin ihre Aufgabe im Haus kirchlicher Dienste (HkD). Nun endet ihre auf drei Jahre befristete Tätigkeit zum 31. März. 

Seit April 2014 unterstützte sie Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen bei der Senkung von Treibhausgasemissionen mit  Schulungen, Vorträgen und der Betreuung bei der Einführung von Nachhaltigkeitsstandards oder des Beschaffungsmanagements „Zukunft einkaufen“. Die ökumenische Initiative „Zukunft einkaufen“ unterstützt Gemeinden und Institutionen dabei, „die eigenen Beschaffungswege systematisch zu analysieren, zu reflektieren und auf Nachhaltigkeit umzustellen“, wie es im Vorwort zum Handbuch heißt. Fünf Kirchengemeinden und das HkD dürfen inzwischen das Siegel „Zukunft einkaufen“ tragen, zwei sind auf dem Weg dorthin.

„Das Siegel ist die höchste Stufe im kirchlichen Beschaffungswesen und die wirksamste, weil alle drei Jahre das System wieder auf den Prüfstand gestellt wird“, erläutert die studierte Biologin. Es geht auch einfacher. Im Handbuch und der Best-Practice-Börse im Internet gibt es Anregungen für einzelne Aktionen und Maßnahmen. Gemeinden können sich dort informieren und gucken, was für sie interessant ist. Hat eine Gemeinde etwas gefunden, das sie umsetzen möchte, gibt es die Möglichkeit, von der Landeskirche dabei gefördert zu werden. „Wenn die Gemeinden sich ein Programm und Leitlinien geben, dann können wir sie mit dem Starter-Kit in Höhe von 1000 Euro für nachhaltige Beschaffung unterstützen“, so Erdmann.

Auch im Bereich der klimafreundlichen Mobilität hat Erdmann einen Katalog von Ideen und Anregungen zusammengestellt, die Gemeinden umsetzen können. Sie reichen von einzelnen Veranstaltungen, wie Vorträgen oder Fahrradtouren, bis hin zum Bau eines überdachten Fahrradständers oder der Teilnahme am Car-Sharing. „Die guten Initiativen von Kirchengemeinden sind mannigfaltig. Da gibt es Autofasten, Fahrrad-Checks, E-Ladestationen und vieles mehr“, berichtet die 40-Jährige.

Die Maßnahmen zur klimafreundlichen Mobilität sind Bestandteil des integrierten Klimaschutzkonzepts der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Diese hat sich das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen, die  durch die dienstliche Mobilität kirchlicher Mitarbeitenden erzeugt werden, bis 2018 um 20 Prozent bis 2030 um 50 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 zu senken. Erdmann war an der Vorbereitung dieses Beschlusses durch die Landessynode beteiligt. Auch hier gibt es ein Starter-Kit, das Gemeinden mit 1000 Euro für bestimmte Maßnahme als Unterstützung erhalten können. „Wir fördern zum Beispiel den Aufbau einer Fahrrad-Werkstatt in der Silvanus-Kirchengemeinde in Hannover“, freut sich Erdmann. „Mich begeistert vor allem, mit welchem Engagement und Wissensdurst sich Haupt- und Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit machen. Da ist so viel Gutes in Bewegung, das wir unbedingt erhalten und weiter fördern sollten!“

Die von Erdmann konzipierten Maßnahmen zu Fahrradabstellanlagen, Elektromobilität und CO2-armen Dienstfahrzeugen werden vom Arbeitsfeld fortgeführt. Ebenso können die von ihr entwickelten Starter-Kits in Höhe von bis zu 1000 Euro zur Umsetzung von Maßnahmen im Mobilitäts-, aber auch im Beschaffungsbereich, weiterhin abgerufen werden.

Die Klimaschutzmanagerin vertrat die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen beim „Runden Tisch Lebensmittelwertschätzung“, den das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ins Leben gerufen hat und war Mitglied des Beirats des Verbands für Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN) für das Projekt „Niedersachsen kauft fair!“.

Bevor Erdmann ins HkD kam, war sie bereits von 2010 bis 2013 als Klimaschutzmanagerin im Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden tätig. Dort war sie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und koordinierte den Energiecheck für kirchliche Gebäude.

Erdmann studierte in Tübingen, Oregon (USA) und Flensburg Biologie und Englisch. Nach dem Studium begann sie ein Referendariat, engagierte sich aber zunehmend ehrenamtlich und später dann hauptamtlich in der Umweltarbeit. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) entwickelte sie 2010 das Projekt „Kunst für Klimaschutz“, bei dem Kunstwerke, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen, ausgestellt und verkauft wurden, um eine Ladestation für Elektrofahrzeuge zu finanzieren.

Sie wurde in einer Familie groß, der Umweltschutz am Herzen lag. „Die Wertschätzung von Lebensmitteln ist mir schon seit meiner Jugend wichtig. Ich bin auf dem Land groß geworden und habe als Kind regelmäßig zu Fuß beim Bauern frische Lebensmittel eingekauft“, erinnert sich Erdmann, die auch ausgebildete Reittrainerin und Reittherapeutin ist. Auch heute noch ist sie in ihrer Freizeit gern mit dem Fahrrad unterwegs.

Die Verabschiedung von Sonia Erdmann findet am Mittwoch, 29. März um 12 Uhr im Rahmen der Hausandacht in der Kapelle des HkD statt.