Ernte einfahren und Wunden heilen

Nachricht 20. März 2017
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Foto: Jens Schulze/HkD

Pastorin Sophie Anca beendet ihre Tätigkeit als Referentin für das Reformationsjubiläum und Ökumene im Haus kirchlicher Dienste (HkD) zum 31. März. Sie hat seit 2015 mit einem Stellenumfang von 25 Prozent Kirchengemeinden und Kirchenkreise beraten, Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum ökumenisch zu gestalten. „Es ist erfreulich, wie viele Kirchenkreise und Gemeinden sich darauf eingelassen haben, das Reformationsjubiläum ökumenisch zu begehen“, sagt die Theologin. Die Veranstaltungen reichen von Andachten und Gottesdiensten über Vortragsreihen bis hin zu ökumenischen Erzählcafés, bei denen in angeleiteten Gesprächsrunden der Austausch über Erfahrungen aus der eigenen Lebensgeschichte stattfindet. Es ist alles auf den Weg gebracht und so läuft die Projektstelle im HkD mit dem Weggang Ancas aus.

Zusammen mit dem Beauftragten für Ökumene, Dirk Stelter und später Woldemar Flake, entwickelte Anca Andachts- und Gottesdienstentwürfe und veröffentlichte Beiträge für die jährlich erscheinenden „Ökumenischen Akzente“. Ihr Flyer mit Ideen und Anregungen, wie das Reformationsjubiläum ökumenisch begangen werden kann, wurde auch von anderen Landeskirchen übernommen. Dort heißt es: „2017 ist das erste Reformationsjubiläum im ökumenischen Zeitalter. In den vergangenen 100 Jahren sind die Konfessionen aufeinander zugegangen. Das Jubiläum ist daher eine gute Gelegenheit, Rückblick zu halten und die ökumenischen Beziehungen zu bekräftigen.“

Für die ökumenische Perspektive des Jubiläums wurden zwei Leitlinien formuliert. Unter dem Motto „Ernte einfahren“ werden Veranstaltungen angeregt, um die gewachsenen ökumenischen Beziehungen zu bekräftigen und zu vertiefen. Ebenso bietet das Jubiläum die Möglichkeit an, „Wunden zu heilen“. Gemeinsam können Verwerfungen und Missverständnisse aufgearbeitet werden, die im Zuge der Reformation und deren Folgen entstanden sind.

Auf ökumenischer Ebene gibt es ein Begleitgremium zum Reformationsjubiläum, in dem Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Bistümer Osnabrück und Hildesheim und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die diversen Planungen zum Reformationsjubiläum miteinander abstimmen. „Mein  Ziel war es immer, die katholische Seite selbst zu Wort kommen zu lassen“, betont Anca. Dank der Offenheit und der Bereitschaft der Bistümer, sich in dieser Intensität auf das Reformationsjubiläum einzulassen, ist dies nun 2017 in sehr unterschiedlicher Form und an vielen Orten der Fall. Zusammen mit Dr. Dagmar Stoltmann-Lukas, Leiterin der Diözesanstelle Ökumene und Interreligiöser Dialog des Bistums Hildesheim, besuchte Anca bereits verschiedene Gemeinden und Kirchenkreise und sprach auf Lehrerfortbildungen etwa am Religionspädagogischen Institut in Loccum.

Mit dem gemeinsamen Papier „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“, haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) anlässlich des Reformationsjubiläums einen Prozess der Heilung der Erinnerungen angestoßen. Deutschlandweit finden dazu ökumenische Buß- und Versöhnungsgottesdienste statt. Parallel zum zentralen Gottesdienst der DBK und der EKD am Samstag, 11. März, in Hildesheim haben die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Bistum Hildesheim jüngst zu einem Studientag zum Thema eingeladen, den Anca mit vorbereitet hat. „Die ökumenische Bewegung bekommt durch das Reformationsjubiläum insgesamt viel frischen Wind“, freut sich die Pastorin.

Während des Dekadejahres „Reformation und die eine Welt“ organisierte Anca gemeinsam mit den Gemeinden anderer Sprache und Herkunft eine ökumenische Studienfahrt nach Wittenberg. „Das war für mich einer der Höhepunkte der beiden Jahre“, erinnert sich Anca. Die Teilnehmenden aus verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen waren vor allem überrascht darüber, wie gering die Zahl der Christen heute am Ursprungsort der Reformation ist. „Sie haben sich dann gefragt, wie sie dazu beitragen können, den christlichen Glauben dort lebendig zu halten“, so Anca.

Die 44-Jährige brachte jahrelange ökumenische und internationale Erfahrungen mit in ihre Tätigkeit ein. Schon in der Schul- und Studienzeit organisierte sie Studienfahrten und Work-Camps. Nach der Schule absolvierte sie einen einjährigen Friedensdienst in Krakau mit der Initiative Christen für Europa e. V.. Während des Studiums machte sie Praktika in Warschau und Südafrika und nahm 1998 am Studienprogramm „Ökumenische Führungskraft“ des Ökumenischen Rates der Kirchen in Bossey in der Schweiz teil. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, der aus dem ungarisch-sprachigen Teil Rumäniens stammt und ebenfalls Pastor ist.

Nach Vikariat und erster Gemeindezeit in Bonn und Meckenheim gingen sie zusammen nach Rumänien, wo Anca von 2008 bis 2009 als Studienleiterin und Beraterin am Ökumenischen Bildungshaus Posticum in Oradea tätig war. Von 2009 bis 2011 arbeitete sie als Referentin für Theologie und Ökumene bei den Evangelischen Frauen in Deutschland e.V..

Seit 2011 ist Anca mit einer halben Stelle Pastorin an der Evangelisch-lutherischen Markus-Kirchengemeinde in Lehrte. Nun freut sich die Mutter von zwei Kindern darauf, wieder mehr Zeit für die Familie zu haben und sich ungeteilt der Gemeindearbeit widmen zu können.

Die Verabschiedung von Sophie Anca findet am Mittwoch, 5. April um 12 Uhr im Rahmen der Hausandacht in der Kapelle im Haus kirchlicher Dienste statt.