"Billig - das ist das Ende des Handwerks!"

Nachricht 09. März 2017
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Die Referenten und Verwaltungsmitarbeiterinnen des Fachbereiches „Kirche.Wirtschaft.Arbeitswelt“ besuchten eine Bäckerei und lernten viel über Werte im Handwerk.  Foto: Andrea Buck

Der Handwerkspastor der Landeskirche Claus Dreier hat am letzten Februartag seine Fachbereichs-Kollegen aus dem Haus kirchlicher Dienste eingeladen, mit ihm zusammen eine Bäckerei zu besuchen, um die Handwerksarbeit in der Praxis und aus größter Nähe kennen zu lernen.

17 Besucherinnen trafen sich also um 8 Uhr - noch gerade früh genug, um die Mitarbeiter in Aktion zu erleben - in der Backstube der Bäckerei von Cord und Andrea Buck in Langenhagen. Für viele war es der erste praktische Kontakt mit diesem „ehrbaren Handwerk“. Und es ging auch gleich praktisch zur Sache: Ein vorbereiteter Teig stand für die Gäste bereit, die nun ihr „eigenes“  Baguette „herstellen“ konnten. Mit viel Teig, Mehl und Spaß gelangen vielfältige und  phantasievolle Kreationen, die dann gebacken wurden und zum späteren reichlichen „Frühstück“ zur Verfügung standen. Den außerordentlich leckeren Geschmack hatten dabei allerdings nicht die Gäste, sondern der Bäckermeister zu verantworten. Und nicht nur der begeisterte seine Gäste, sondern vieles, was die Besucher sahen und erlebten, hat sie sehr beeindruckt.

Stephan Eimterbäumer, Referent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, sagt über den Besuch im „Bucks Backparadies“: „Dieser Betriebsbesuch war besonders, weil hier ein Unternehmen durch handwerkliche Qualität – und nicht etwa durch Größe oder besonders hohe Automatisierung – faszinierte. Die Strategie beruht nicht auf Expansion, sondern mit sieben Filialen scheint eine stimmige Größe erreicht, die gut zur Kapazität der Backstube passt. Es herrschte eine unaufgeregte authentische Atmosphäre im Betrieb.“

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Handwerkspastor Claus Dreier bereitete in der Backstube das Brot für das Frühstück vor. Foto: Andrea Buck

„Das Betriebsklima entspricht dem guten Geschmack der Produkte“ ergänzt Handwerkspastor Claus Dreier, der den Besuch gemeinsam mit seiner Kollegin Monika Micuda und Iljaz Leba vom Bäckerinnungsverband Niedersachsen-Bremen vorbereitet hatte. Arbeitszufriedenheit gehöre zum Gesamtkonzept erklärte Cord Buck. Er übernehme Verantwortung für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und die Produkte. Gute Arbeit müsse eben auch entsprechend bezahlt werden und Qualität fange auch schon bei den eingesetzten Rohstoffen an – und da komme für ihn nur beste Qualität in Frage - und reiche eben bis zum Personal. „Billig – das ist das Ende des Handwerks!“ Billiger produzieren ginge zwar immer, es gäbe Zusätze, die auch Arbeit erleichtern würden und Arbeitszeit reduzierten, aber die Qualität, der Geschmack und die Haltbarkeit würden eben darunter leiden. Natürlich müsse er entsprechend die Preise kalkulieren, und bei einer Marge von etwa 12 Prozent - wenn es gut läuft - sei der Spielraum nicht sehr groß, aber in seinem Betrieb mit den Filialen und den guten Mitarbeiterinnen passe noch alles bestens zusammen.

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Ungewohnte Tätigkeit für Landessozialpfarrer Dr. Matthias Jung: Kneten, rollen, formen eines Backteiges. Foto: Claus Dreier

Eimterbäumer resümiert: „Der Bäckermeister und seine Frau als Inhaber vertreten spürbar ethische Werte: er hat auch über ökologische Aspekte des Fuhrparks nachgedacht und ist für künftige Veränderungen aufgeschlossen. Der Besuch hat mir deutlich gemacht, dass es wirtschaftlichen Erfolg gibt, der nicht über Größenwettbewerb erzielt wird. Ich habe als Mitarbeiter im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt immer nach erfolgreichen Unternehmen gesucht, die keine Größen- beziehungsweise Wachstumsstrategie verfolgen.“ Gabi Gust bestätigt ihren Kollegen und ist begeistert, „dass sie nicht wachsen müssen auf Gedeih und Verderb, sondern dass diese Betriebsgröße auch funktioniert.“

Eine Bereicherung, so die Gäste, sei auch die Teilnahme von Iljaz Leba gewesen, der viel beitragen konnte zur wirtschaftlichen Seite des Handwerks und zum Vergleich mit anderen niedersächsischen Bäckereien.