Luther würde twittern

Nachricht 08. März 2017

Jahresversammlung der Büchereiarbeit im Haus kirchlicher Dienste zum Thema „500 Jahre Reformation“

Die Botschafterin für das Reformationsjubiläum, Prof. Dr. Dr. Margot Käßmann, bejahte die Frage, ob der Reformator Martin Luther ihrer Meinung nach soziale Medien wie Twitter verwenden würde, wenn er heute noch lebte. „Luther konnte sich kurz fassen, aber er würde hoffentlich die 140 Zeichen in guter und seelsorgerlicher Absicht verwendet haben“. Dies sagte sie bei der diesjährigen Jahresversammlung der Büchereiarbeit zum Thema „500 Jahre Reformation“ am 4. März in der Neustädter Hof- und Stadtkirche vor fast 200 ehrenamtlich Mitarbeitenden der evangelischen Gemeinde- und Krankenhausbüchereien, die aus allen Teilen der Landeskirche angereist waren.

In ihrem Beitrag „Bibel – Buchdruck – Bildung“ ging die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf die Bedeutung der Reformation für die heutige Zeit ein. Luthers Übersetzung der Bibel in die Sprache des Volkes sei eine geniale Leistung gewesen. Die Bibel in der eigenen Sprache lesen zu können habe die Menschen ins Herz getroffen. Sie konnten sich nun selbst ein Urteil über den christlichen Glauben bilden und waren nicht mehr auf die Vermittlung biblischer Inhalte durch kirchliche Amtsträger angewiesen.

Damit möglichst viele Menschen in die Lage versetzt wurden, selbst in der Bibel zu lesen, habe Luther sich für die Bildung von allen Kindern, unabhängig von Gesellschaftsschicht und Geschlecht, eingesetzt und zu Schulgründungen aufgerufen; dies sei vor dem Hintergrund heutiger Bildungspolitik gar nicht hoch genug einzuschätzen, so Käßmann. Aber all seine Genialität und sein Ideenreichtum wären nicht so erfolgreich gewesen ohne eine Medienrevolution, wie sie die Erfindung des Buchdrucks dargestellt habe. All dieses zusammengenommen habe eine Demokratisierung der Menschen möglich gemacht; denn jedweder Fundamentalismus möge keine Fragen - damals wie heute. Dieser verlange den Glauben an das, was einem gesagt würde und nicht eine eigenständige Urteilsbildung. Für Käßmann sind die verschiedenen Bibelübersetzungen im Laufe der Jahrhunderte eine notwendige Fortschreibung und Anpassung an die Lebenswirklichkeiten der Menschen. „Die Bibel ist nie ausgelesen“, dieses Zitat von Martin Luther gelte bis in die heutige Zeit.

Als ein „Fest versöhnter Verschiedenheit“ hatte bereits am Vormittag der erste Referent, der Journalist und Autor Christian Nürnberger, das Fest zum Reformationsjubiläum 2017 bezeichnet. Er gab einen Einblick in sein Buch „Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten“. In seiner Lesung schlug er immer wieder einen Bogen von Luther, aber auch von seiner Frau Katharina und ihren Lebensleistungen, zur Gegenwart. Luther war für die damalige Zeit ein Bestsellerautor, denn ein Drittel aller im 16. Jahrhundert erschienenen Bücher und Schriften stamme von ihm, so Nürnberger.

In der anschließenden Mittagspause hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, sich über kreative Büchereiangebote auszutauschen, die Fachstelle im Haus kirchlicher Dienste einmal persönlich zu besuchen und die audiodigitalen Lernangebote „Tiptoi“ und „Ting“ auszuprobieren, wovon sie reichlich Gebrauch machten.

Zum Einstieg in den Nachmittag stellte Karl Lang von der Buchhandlung an der Marktkirche Bücher zum Thema „Reformation“ vor. Allerdings hatte er eine Auswahl aus einer großen Anzahl von Büchern treffen müssen, denn allein im Jahr 2017 sind insgesamt 2854 Titel rund um das  Thema „Martin Luther“ und „Reformation“ erschienen. So gab er kurze, einprägsame Leseproben aus historischen Romanen, historischen Kriminalromanen, Kinder-, Jugend- und Sachbüchern.

Zum Auftakt hatte die Leiterin der Bücherei- und Medienarbeit im Haus kirchlicgher Dienste, Diakonin Marion Wiemann die Bücherei-Mitarbeitenden mit einer literarischen Andacht begrüßt. Ihr besonderer Dank galt dann den Mitgliedern des neu gewählten, aber auch die des scheidenden Beirats, der die Arbeit der Fachstelle mit vielfältigen Impulsen intensiv begleitet und unterstützt.