Zerteilte Uniform wird Kunstprojekt

Nachricht 01. März 2017

Eine Soldatenuniform wird zerschnitten und zu einem Kunstwerk - und ein Appell für den Frieden. Der Prophet Micha sagte einst eine Zeit voraus, in der Schwerter zu Pflugscharen gemacht werden; aus einer Uniform macht „Crazy Quilts“, also große Decken aus Flicken, die Initiatorin eines ungewöhnlichen Kunstprojektes Alma Fokken  zusammen mit über 50 Mitwirkenden. Die zwei mannsgroßen Exemplare sind vom 15. März bis 7. April im Haus kirchlicher Dienste (HkD), Archivstr. 3 in Hannover, zu sehen und in dessen Foyer zusammen mit nachdenklichen Texten der Mitwirkenden ausgestellt. Das Kunstprojekt wird mit einer kleiner Vernissage am 15. März um 18 Uhr durch die Initiatorin eröffnet. Pastor Dr. Matthias Surall, Referent für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste, wird zudem das Projekt mit Verweis aus die aktuelle Schwarmkunst einordnen und Direktor Ralf Tyra die Besucher begrüßen.

Die Ausstellung zeigt in Bildern auch den Entstehungsprozess: Im Sommer 2015 kam die heute 66-Jährige angesichts der Kriegsnachrichten nach einem Traum auf die Idee, gemeinsam mit anderen Menschen die Decken zu gestalten. Die in 89 Stofffetzen zerteilte, gebrauchte Bundeswehruniform inspirierte die Mitwirkenden im Alter von 12 bis 85 Jahren sich mit Gewalt und Krieg künstlerisch auseinandersetzen. Ein Jahr später nähen aus den blattgroßen, höchst unterschiedlichen Stücken einige Frauen einen halbrunden „Umhang“ und eine rechteckige Patchwork-Decke. „Die Frage nach Krieg und Frieden verdichtet sich in dem kleinen künstlerischen Moment“ sagt Pastor Lutz Krügener, Referent für Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste. Und seine Kollegin vom Frauenwerk, Hannelore Köhler, ergänzt: „Es regt an, zu den Bildern Texte zu schreiben“.

Und so werden die beiden HkD-Referenten kleine Texttafeln mit den Gedanken und Ideen der Mitwirkenden erstellen, die man mit zu den Quilts nehmen kann, wenn man sie anschaut. Bewusst wollen Köhler und Krügener wiederum die Besucherinnen motivieren, sich eigene Gedanken zu machen und in einem Gästebuch aufzuschreiben. „Vorsichtig anfassen ist erlaubt“ sagt Hannelore Köhler über die Decken. Denn die „handfeste“ Ausstellung können Kirchengemeinden auch ausleihen oder als Idee nehmen, ihrerseits einen Crazy Quilt aus einer Uniform zu fertigen.

Zwei Veranstaltungen begleiten die Ausstellung: Alma Fokken selbst gibt am Mittwoch, 29. März 18.30 Uhr bis 21 Uhr eine Einführung in „Gewaltfreie Kommunikation“. Am Mittwoch, 5. April, wird die 12-Uhr-Hausandacht von Diakonin Hannelore Köhler und Pastor Lutz Krügener zu den Crazy-Quilts gehalten. Beide Veranstaltungen im Haus kirchlicher Dienste sind ohne Eintritt und Anmeldung und werden die Decken als Einstieg in das Thema nutzen.