Bauteil Brandstraße ökologisch saniert

Nachricht 14. Juli 2017
Architekt Sven Becker leitete die Sanierung des Gebäudeteils Brandstraße. Foto: Gunnar-Schulz-Achelis/HkD

„40 Prozent CO2-Emissionen werden eingespart“, erklärt Sven Becker das Ziel der energetischen Sanierung des Anbaus des Hauses kirchlicher Dienste (HkD) in der Brandstraße in Hannover, in dem auch das Evangelische MedienServiceZentrum (EMSZ) und einzelne Referate des Landeskirchenamtes untergebracht sind. Als hauseigener Architekt plante und leitete Becker während der letzten zwei Jahre die Baumaßnahmen. Nun ist er seit dem 1. Juni Architekt im Amt für Bau- und Kunstpflege  der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, wird aber von dort aus die letzten Wochen des Baus noch begleiten.

In den letzten Wochen wurden, nachdem das Haus rundherum mit Steinwolle gedämmt wurde, Glasfaserbetonplatten in die vorbereiteten Aluminiumstreben vor das Dämmmaterial gehängt. Noch fehlen die letzten Platten – sie werden erst beim Abbau des Gerüstes aufgehängt werden. Dies ist der letzte Schritt der etwa ein Jahr dauernden Sanierung. „Die alte Dämmung wies massive Schäden auf, das Dach musste saniert werden und auch die Fenster ließen zu viel Wärme durch“, so Becker zum Grund der Maßnahmen. Ziel ist es den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren.

An diesem Punkt begann Becker mit seinen Planungen. Als erster Schritt wurde die alte Dämmung aus Styropor entfernt. Da die Styroporplatten mit dem Mauerwerk verleimt waren, war dieser Bauabschnitt mit viel Lärm verbunden. Gleichzeitung wurde mit der Sanierung des Daches begonnen und vor einem Jahr dort bereits eine zweite Photovoltaikanlage in Betrieb genommen werden. Zusammen mit den bereits bestehenden Anlagen auf dem Haupthaus wird nun ungefähr ein Viertel des Stromverbrauchs des HkD auf dem eigenen Dach produziert.

Dann wurden die circa 100 Fenster des Gebäudeteils nach und nach ausgetauscht. Da die Fenster jetzt weiter vorne liegen, in der Dämmschicht und nicht mehr auf der Ebene des Mauerwerks, musste im Innenraum jedes Mal die Fensterbank und die Verkleidung rund um das Fenster erneuert werden. „Die Fenster sind aus Holz, dreifach verglast und nur die Zargen an den Seiten sind aus Aluminium“, betont der 40-Jährige. Die Wahl des Materials war ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit den Klimaschutzmanagern der Landeskirche, die in alle Planungen mit einbezogen wurden. Die eigentliche Dämmung des Hauses geschieht mit Steinwolleplatten. Davor hängen Platten aus Glasfaserbeton, die problemlos zu recyceln sind. Zum einen lehnen sich die Platten optisch an die umliegenden Gebäude an, zum anderen kann das Dämmmaterial immer wieder austrocknen, wenn es feucht wird. Hinter den Platten besteht eine dauerhafte Luftzirkulation. Auch das Kondenswasser auf der Innenseite der Fenster wird durch Röhrchen gezielt nach außen geleitet.

Für die Anfertigung der Platten musste das ganze Gebäude vorher genau vermessen werden. „Der Gebäudeteil stammt aus den 50er-Jahren und die Wände sind teilweise recht uneben“, erläutert der Architekt. Aufgrund der Messergebnisse wurden die Platten für die Fassade einzeln angefertigt. Sie sind bis zu 120 Kilo schwer und werden in diesen Tagen am Gebäude aufgehängt.

Auf die Frage, warum die ganze Baumaßnahme zwei Jahre in Anspruch genommen hat, antwortet Becker: „Wenn wir das Gebäude hätten leerräumen können, wäre alles auch in wenigen Monaten zu schaffen gewesen. Das wäre aber deutlich teurer geworden, da wir Büro- und Lagerräume hätten anmieten müssen. So mussten wir bei laufendem Betrieb arbeiten und auf Veranstaltungen und die Mitarbeitenden, die in dem Gebäude ihr Büro haben, Rücksicht nehmen.“ Die Arbeiter hatten an manchen Tagen erst mittags angefangen zu arbeiten und die Fenster in den einzelnen Büros wurden teilweise dann ausgewechselt, wenn jemand ohnehin im Urlaub war. So war eine komplexe Planung und zeitliche Abstimmung der einzelnen Bauabschnitte nötig.

Becker schaut gern auf die zwei Jahre im HkD zurück: „So eine umfangreiche Baumaßnahme zu leiten und zu planen, ist sehr vielseitig und ich hatte viele Freiheiten. Vor allem hat mir die Arbeitsatmosphäre im Haus gefallen. Mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht.“

Vor seiner Zeit im HkD hatte der Vater zweier Kinder schon einmal für das Amt für Bau- und Kunstpflege gearbeitet, davor war er in der Stadt- und Verkehrsplanung und in kleineren Architekturbüros tätig. Er wurde am 14. Juni um 12 Uhr in der Andacht im HkD verabschiedet.