Bitter Oranges

Nachricht 13. September 2016

Überlebt, um ausgebeutet zu werden:

„Bitter Oranges“ zeigt moderne Arbeitssklaverei in Südeuropa

Die Ausstellung „Bitter Oranges“ machte vom 12. September bis zum 7. Oktober Station im Haus kirchlicher Dienste in Hannover. Sie thematisiert beispielhaft moderne Arbeitssklaverei in Europa sowie den Preisdruck in der Lebensmittelproduktion. Zugleich sensibilisiert sie für faire Handelsbedingungen und einen bewussten Konsum von Nahrungsmitteln. Eine breite Partnerschaft verschiedener Organisationen hat die Ausstellung nach Niedersachsen geholt.

Menschenunwürdige Unterbringung in Zelten oder Slumsiedlungen, extreme Ausbeutung der Arbeitskraft und eine zermürbend unsichere Bleibeperspektive – das ist bittere Realität für afrikanische Flüchtlinge in Süditalien. Wenn im Winter die Orangenernte ansteht, beginnt die Hochsaison für die geflüchteten Erntehilfskräfte. Armut und soziale Ausgrenzung, aber auch gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt prägen die Lebenswelt der Betroffenen. Viele von ihnen haben oft den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa nur knapp überlebt.

"Wir nennen es das moderne Gesicht der Sklaverei", zitierte Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer Professor Dr. Gilles Reckinger, einen der Macher der Ausstellung bei deren Eröffnung in Hannover am Montag. "Die Menschen sind eigentlich frei, aufgrund der Umstände sehen sie sich aber gezwungen, unter diesen Bedingungen zu arbeiten."

"Auf Orangenplantagen in Kalabrien bekommen die Arbeiter zwei Cent für ein Kilo geflückte Orangen", berichtete die Ethnologin Dr. Diana Reiners. "Da sie als Tagelöhner nur an wenigen Tagen im Monat arbeiten können, verdienen sie im Monat 30 bis 150 Euro. Davon können sie sich keine Wohnung mieten, deshalb sind sie auf die Zeltunterkünfte oder improvisierte Behausungen angewiesen."

Die Fotoausstellung Bitter Oranges ist das Ergebnis eines dreijährigen Forschungsprojekts, in dem die Ethnologen Reiners und Gilles Reckinger von der Universität Innsbruck sowie die Fotografin und Sozialwissenschaftlerin Carole Reckinger, M.Sc., regelmäßig die Orangenarbeiter von Rosarno aufsuchten. Die Austtellung ist durchgängig viersprachig angelegt und wandert durch ganz Europa. Nun werden die Bilder erstmals in Niedersachsen gezeigt.

Getragen und organisiert wurde die Ausstellung in Hannover vom Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Katholischen Kirche in der Region Hannover, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, dem DGB-Bezirk Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt, dem Europäischen Informations-Zentrum Niedersachsen und dem Flüchtlingsrat Niedersachsen.

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung

Im Rahmen der Ausstellung in Hannover sind verschiedene Veranstaltungen gelaufen.

  • 19. September 2016, 18 Uhr im Haus kirchlicher Dienste: „Status: Prekär. Lohnarbeit, Flucht und Ankommen.“ Was erwartet geflüchtete Menschen auf dem Arbeitsmarkt?
    Mit Dr. Patrick Schreiner (Abtl. Wirtschaftspolitik, ver.di Bundesvorstand). Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt.
  • 27. September 2016, 18 Uhr im Haus kirchlicher Dienste: „Wunsch und prekäre Wirklichkeit – Arbeit für Flüchtlinge in Niedersachsen?
    Diskussionsveranstaltung unter anderem mit Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe und Filiz Polat, Sprecherin für Flüchtlings- und Migrationspolitik der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
  • 5. Oktober 2016: „Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten!“ (Ex 22,20) Mobile Beschäftigte in der heimischen Fleischindustrie
    Vortrag: Prälat Peter Kossen, Ständiger Vertreter des Bischöflichen Offizials für die katholische Kirche im Oldenburger Land, Vechta. Kommentar: Dr. Matthias Jung, Landessozialpfarrer, Leiter des Fachbereichs Kirche. Wirtschaft. Arbeitswelt der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
    17 Uhr: Möglichkeit zur Führung durch die Ausstellung im Haus kirchlicher Dienste, Archivstraße 3
    18 Uhr: Vortrag, Kommentar und Fragerunde im Tagungshaus St. Clemens, Leibnizufer 17

Weitere aktuelle Informationen rund um die Ausstellung finden Sie auf der Homepage www.bitter-oranges.de. Nach Hannover wird Bitter Oranges in der Bürgerhalle Wolfsburg vom 18.10. bis 8.11. ebenfalls mit Begleitveranstaltungen zu sehen sein.