Einer, der Netze webt und Träume spinnt

Nachricht 31. Oktober 2016
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Dr. Matthias Jung sprach in seiner Predigt bei seiner Einführung als Landessozialpfarrer über  neue Fäden im Gewebe und zeigte einen roten Faden. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Als „Fäden-Spinner“ und Teamarbeiter hat sich der neue Landessozialpfarrer Pastor Dr. Matthias Jung bei seiner Einführung am Freitag, 28. Oktober präsentiert. Der Nachfolger von Michael Klatt wird - wie er - nicht nur den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers leiten, sondern auch im Haus kirchlicher Dienste (HkD) den Fachbereich „Kirche. Wirtschaft. Arbeitswelt“.

Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer erinnerte im Einführungsgottesdienst in der Neustädter Hof- und Stadtkirche daran, dass Jung neben seinem Gemeindepfarramt im Rheinland Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Arbeitspsychologie studiert hat, in seiner Masterarbeit über Hartz-IV-Gesetze schrieb und anschließend über „Entgrenzung von Arbeit“ promovierte. Weil er zwei Jahre als KDA-Referent in den Sprengeln Osnabrück und Ostfriesland-Ems tätig war, kenne er den hiesigen Dienst und habe so gute Voraussetzungen als neuer Chef. In Anlehnung an einen Paulusspruch aus dem 2. Korintherbrief  meinte Kiefer, Jung habe Freiheit erfahren und ermögliche sie anderen. Als Teamarbeiter passe er gut ins HkD.

Seinen Ansatz als Teamarbeiter unterstrich Jung in seiner Predigt, zu deren Auftakt er die Philosophin Hannah Arendt zitierte: „All unser Handeln ist nicht mehr, aber auch nicht weniger, als Fäden in ein Gewebe zu schlagen, dass andere vor uns gewebt haben“. „Ich beziehe mich immer auf das, was andere vor mir geschaffen haben, bringe einen Faden ein und das Muster wird neu“ sagte Jung und zeigte auf der Kanzel einen roten Faden.
Dies geschehe auch durch Sprache. In der „Gender-Steuerungsgruppe“ im Osnabrücker Land haben er und seine Frau Christine gerne mitgewirkt und dort kreierte man neue Worte. Sein aktuelles Lieblingswort sei „Faden-Hochzeit“: „Ein Wort, eine Geste, eine Handlung kommt bei Dir an. Mein Faden verschmilzt mit deinem Gewebe und in der Begegnung wird das Muster verändert“, so Jung.

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Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer (von links) segnete Dr. Matthias Jung bei seiner Einführung als neuer Landessozialpfarrer und Fachbereichsleiter im HkD. Es assistierten Gabriele Gust vom Umwelt- und Klimaschutz und Fachbereichsassistentin Andrea Plotzki. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Er plädierte für einen neuen spielerischen Umgang, so wie Gott bei der Schöpfung ja auch gespielt habe. „Was wäre, wenn wir zu spielen beginnen würden, im Arbeitsfeld und Fachbereich, im Landeskirchenamt, mit Gewerkschaftlern und Unternehmern?“ Auch so ließe sich die Welt verändern. „Die Vergangenheit scheint für manche so rosig, dass sie sie mit Gewalt zurück wollen. Aber wir ahnen: Nichts wird so bleiben. Das Wachstumsmodell ist am Ende und verbreitet keine Zuversicht mehr“. Christeninnen und Christen könnten hier mutig und gelassen bleiben und „traumspinnend“ wirken, so Jung abschließend.

In seinem Grußwort erinnerte Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann daran, dass der KDA im Stadtkirchenverband in den der Landeskirche im HkD gewachsen sei und bis heute vielfältig wirke, beispielsweise mit dem Kirchenzelt bei der  1.-Mai-Veranstaltung. Jungs Bruder Norbert, Kommunalpolitiker in Sachsen-Anhalt, findet dessen Posten eine „wunderbare Einrichtung“, weil er mit hingehen, zuhören und Kaffee trinken oft einen Interessen-Ausgleich schaffen könne. Für den Fachbereich überreichte der leitende Referent im Klima- und Umweltschutz Reinhard Benhöfer schmunzelnd Jung ein Stammbuch, in das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon einiges eingetragen haben. 
 

Die Predigt von Matthias Jung kann online hier nachgelesen werden

Predigt Jung