Auszeichnung für Arbeitsfeld des HkD

Nachricht 07. Juni 2016

Das Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ erhielt am Samstagnachmittag eine Auszeichnung als „Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“. Karl-Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz zeichnete dieses Projekt auf dem Friedhof der St. Johannis-Gemeinde Engter aus.

„Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ ist seit zwei Jahren ein landeskirchenweites Projekt, das systematisch an der ökologischen Aufwertung kirchlicher Friedhöfe mit Seminaren zur Friedhofsentwicklungsplanung, dem Aufbau von Umweltmanagementsystemen, Schulungen zur Baumkontrolle und Fortbildungen für Friedhofsgärtner arbeitet.

In seiner Begrüßung und Kurzbeschreibung des Projektes bekannte Reinhard Benhöfer, Umweltreferent vom Haus kirchlicher Dienste (HkD): „Zur Bewahrung der Schöpfung gehört auch die biologische Vielfalt. Hier engagieren wir uns erst seit Kurzem und schämen uns auch ein wenig dafür“. Vor zwei Jahren wurde der Förderbedarf im Hinblick auf die Biodiversität in kirchlichen Friedhöfen mit dem Aufbau eines Umweltmanagements angegangen. Große Erfolge im Artenschutz seien hier jetzt vorhersehbar. Auch eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit stehe im Zentrum dieser Arbeit, erläuterte Reinhard Benhöfer.
Im Anschluss hieran hielt Superintendent Hans Hentschel einen Vortrag zur Bedeutung der christlichen Friedhofskultur. „Friedhöfe mitten im Dorf, man kam daran nicht vorbei. Mitten im Leben war ein Ort, in dem der Tod sein Zuhause hat“, führte Hans Hentschel den Anwesenden vor Augen. Friedhöfe seien „Predigtstätten. Sie predigen: Dieser Ort, an dem das Leben endet, ist ein Ort, an dem das Leben weitergeht“. Die Friedhöfe seien heute zwar zu schönen, aber nicht mehr alltagstaugliche Orten geworden. Sie glichen geschonten Wohnzimmern. „Ich glaube, dass zwischen dem zeitgenössischen Glaubensklima und dem Ökoklima der Friedhöfe ein Zusammenhang besteht. Die Zeiten der vor allem ordentlichen Friedhöfe sind vorbei, auf denen sich quadratisch, praktisch eingefasst Grab an Grab reihte und unerwünschtes Kraut tot gespritzt wurden.

„Ich möchte mal auf einem Friedhof liegen, in dem Insektenhotels und Birnenkörbe stehen und Kinder Birnen oder Beeren ernten können“, sagte Hentschel. Zur christlichen Friedhofskultur gehörten schon immer die Friedhofsruhe, die es ermögliche, „stille zu werden vor der Traurigkeit, aber auch Stille vor Gott zu finden, der aus allem Gestorbenen neues Leben schaffen kann“. Friedhöfe seien „Glaubensland“, in dem „Gott seinen Menschen die Treue hält“ und sein Segen den Tod überwindet. Wenn unsere Friedhöfe neben dem Ort der Bestattungskultur zu Gärten werden, „in denen sich Arten erhalten können, in denen Eidechsen flitzen und seltene Pflanzen sich beheimaten, dann werden sie gegenüber Fried- und Ruhewäldern, gegen Seebestattungen und Urnenverschüttung auf Straßen und Gassen überaus konkurrenzfähig bleiben“, war sich Hans Hentschel sicher. „Von biodiversen Friedhöfen kann ein Segen ausgehen, der sich für uns als Kirche auch ökonomisch auswirken wird.“

Professor Dr. Karl-Heinz Erdmann erläuterte kurz die „UN-Dekade Biologische Vielfalt“, die ausgerufen worden war, um den Rückgang biologischer Vielfalt aufzuhalten. Nicht nur die klassischen Naturschutzakteure, sondern auch die eben nicht klassischen Akteure sollten angesprochen werden, wie die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. „Nur wenn überall der Erhalt von Pflanzen und Tieren gemacht wird, können wir alle gemeinsam gewinnen. Es soll um das Nachahmen gehen“, hob Karl-Heinz Erdmann hervor. Seit Beginn der Dekade wurden bislang 300 Projekte ausgezeichnet.

„Sie haben zu Ihren Zielen erklärt, dass Überhangflächen auf Friedhöfen ökologisch aufgewertet werden sollen. Durch Stauden und Sträucher wird ein Beitrag zur biologischen Vielfalt geleistet. Das Projekt ist vorbildlich für ganz Deutschland“, begründete Karl-Heinz Erdmann die einstimmig von der Jury gefällte Entscheidung, das Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ für auszeichnungswürdig zu erachten, bevor er einen „Biodiversitätsbaum“ aus einheimischen Hölzern, ein entsprechendes Banner sowie Urkunde und Plakette stellvertretend für alle beteiligten Gemeinden an Gabi Gust, Joana Cavaco und Reinhard Benhöfer vom Haus der kirchlichen Dienste übergab.

Der Veranstaltung schlossen sich ein Rundgang über den Friedhof Engter sowie ein Vortrag über „Bedeutung und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit auf kirchlichen Friedhöfen“ an.

Ein Artikel von Holger Schulze/ Bramscher Nachrichten 5.6.16