Sorge über nationalistische Hetze

Nachricht 01. Juni 2016

Die Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ) feierte kürzlich ihr 40-jähríges Bestehen in Berlin. Sie gilt als bedeutende Impulsgeberin für den jüdisch-christlichen Dialog in Europa.

Im Jahr 1976 wurde die Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ) in Dänemark von acht lutherischen Kirchen und Missionsgesellschaften aus Skandinavien, den Niederlanden und Deutschland gegründet, nun konnte sie ihr 40-jähriges Bestehen in Berlin feiern. Bei den Feierlichkeiten zum Jubiläum konnte der LEEKJ-Vorsitzender Wolfgang Raupach-Rudnick Vertreterinnen und Vertreter von inzwischen vierzehn europäische lutherischen Kirchen und jüdischen Gemeinden begrüßen. In einer Rückschau resümierten die Delegierten, dass die LEEKJ immer wieder wichtige Impulse für den jüdisch-christlichen Dialog in Europa gab. So fand zum Beispiel 1990 die Erklärung von Driebergen große Beachtung in den Kirchen, als die Delegiertenkonferenz formulierte: „Wir dringen darauf, dass in den lutherischen Kirchen nicht nur die antijüdischen Ausfälle des späten Luther mit ihren verheerenden Folgen aufgearbeitet werden (…), sondern auch Grundschemata lutherischer Theologie und Lehre (…) im Blick auf ihre Auswirkung auf das christlich-jüdische Verhältnis neu überdacht werden…

Die Erklärung gilt als ein bedeutsames theologisches Grundsatzpapier lutherischer Kirchen in Europa und wurde vielerorts rezipiert. Weiterhin enthält das Dokument grundlegende Einsichten, wie das Bekennen von Schuld, verbunden mit der Aufforderung zur Buße, die Verurteilung von Antisemitismus, die Betonung der einzigartigen Beziehung von Christentum zum Judentum, sowie die bleibende Bezug zum Judentum: „Wir fordern dazu auf, Christen Kenntnisse vom Judentum zu vermitteln, um ihnen zu einer positiven, unverzerrten Einstellung zum heutigen Judentum zu verhelfen und dadurch den säkular begründeten Antisemitismus ebenso wie den in den Kirchen überkommenen Antijudaismus zu überwinden.“

Auf der diesjährigen Konferenz beschäftigten sich die Delegierten mit der Lehre von der Rechtfertigung unter dem Titel „Gerecht allein durch den Glauben, ohne durch die Werke des Gesetzes – Stein des Anstoßes zwischen Christen und Juden?“ Darüber hinaus berichteten sie in den einzelnen Länderberichten mit Sorge, wie durch die wachsende Zustimmung zu nationalistischen Parteien das friedliche Zusammenleben von Religionen und Kulturen gefährdet wird und nicht mehr das Prinzip des Dialogs bestimmend ist, sondern Hetze und Ignoranz das gesellschaftliche Klima vergiften.

Bei der LEEKJ entsenden die Kirchen Delegierte, die sich jährlich zu einer Arbeitstagung treffen. Zu den Themen der Tagungen zählen vielfältige Aspekte der christlich-jüdischen und insbesondere lutherisch-jüdischen Beziehungen, die Erneuerung der Theologie im Gegenüber zum Judentum, Fragen der Gestaltung der praktischen Arbeit in Kirchengemeinden und Schulen, die Bekämpfung von Antisemitismus und Fragen einer christlichen Erinnerungs- und Gedenkkultur.

Neben der Arbeit an diesen Themen dienen die Tagungen auch dem Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Beratung. Sie finden an wechselnden Orten in Ländern der Mitgliedsorganisationen statt. Die Kommissionsmitglieder erhalten auf diese Weise Einblicke in die konkrete Arbeit der Kirchen, insbesondere die Aktivitäten zum christlich-jüdischen Dialog vor Ort.

Die LEKKJ ist das einzige europäische Netzwerk evangelischer Kirchen und Institutionen im Bereich des christlich-jüdischen Dialogs, das kontinuierlich seit vier Jahrzehnten arbeitet.