Dieses Jahr in Jerusalem

Nachricht 22. Januar 2016
Pastorin Dr. Melanie Mordhorst-Mayer geht als Leiterin des Programms "Studium in Israel" zum 1. März nach Jerusalem. Foto: Jens Schulze/HkD

Neue Leiterin des Studienprogramms „Studium in Israel“ in Jerusalem wird zum 1. März Pastorin Dr. Melanie Mordhorst-Mayer, bisher Referentin für Kirche und Judentum im Haus kirchlicher Dienste (HkD).

Mordhorst-Mayer ist seit dem Sommer 2013 im HkD. Zunächst baute sie als Sondervikarin das „Netzwerk christlich-jüdischer Dialog in Niedersachsen“ auf. „Dieses Netzwerk bringt alle Menschen zusammen, die sich in Niedersachsen haupt- und ehrenamtlich im christlich-jüdischen Dialog als Multiplikatoren engagieren“, fasst die 38-Jährige zusammen. Jährliche Netzwerktreffen und regelmäßige Mails leiten Informationen weiter und dienen dem Austausch untereinander. Anfragen, etwa für Referenten, werden vom HkD aus koordiniert.

Im Herbst 2013 beschloss die Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers eine Verfassungsänderung, in der sie ihr Verhältnis zum Judentum definierte. Kern der Änderung ist die Anerkennung der bleibenden Erwählung des Volkes Israel. Um dieses neue Verhältnis mit Leben zu füllen, stellte die Landeskirche Projektmittel zur Verfügung und richtete eine halbe Pfarrstelle ein, die Mordhorst-Mayer ab Sommer 2014 übernahm. Mit einer weiteren halben Stelle wurde sie Pastorin in der Kirchengemeinde Linden-Nord in Hannover. Zusammen mit der Beauftragten für Kirche und Judentum, Professorin Dr. Ursula Rudnick, begann Mordhorst-Mayer mit der Entwicklung von neuen Projekten zum christlich-jüdischen Dialog.

Unter dem Titel „Sich besser verstehen – Christsein im Angesicht des Judentums“ erstellte sie eine Arbeitshilfe, die 21 Entwürfe für die Umsetzung in der Gemeinde enthält. Diese reichen von Lesepredigten über Anleitungen für Gemeindeabende bis hin zu Unterrichtseinheiten für den Konfirmandenunterricht. Die Arbeitshilfe wird Ende Februar online sowie gedruckt erscheinen und allen Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt. Zusätzlich rief Mordhorst-Mayer, die auch eine Fundraising-Ausbildung hat, den von der Landeskirche gestifteten „Förderfonds Kirche und Judentum“ ins Leben. Dieser Fonds soll Gemeinden dabei unterstützen, Projekte, Initiativen und Veranstaltungen zum Thema durchzuführen.

Vorträge und Seminare gehörten ebenso zu den Aufgaben von Mordhorst-Mayer wie die Mitarbeit an den Publikationen des Arbeitsfeldes „Kirche und Judentum“. Seit 2015 besteht für Pastorinnen und Pastoren die Möglichkeit, eine dreimonatige „theologische Fortbildung in Jerusalem“ zu absolvieren. Mordhorst-Mayer sorgte dafür, dass diese Fortbildung als eine Variante des Kontaktstudiums etabliert wurde und sie beriet interessierte Pastoren. „Es freut mich, bald einige von ihnen in Jerusalem während ihres Studien-Aufenthaltes begleiten zu können!“, sagt die Theologin. Denn dies wird eine ihrer Aufgaben auf der neuen Stelle sein.

Der christlich-jüdische Dialog begleitet Mordhorst-Mayer bereits seit ihren Studienzeiten. „Schon im Grundstudium wurde mir klar, dass wir unsere christliche Religion gar nicht verstehen können, wenn wir das Judentum nicht kennen. Schließlich waren Jesus, Paulus und die Mitglieder der ersten Gemeinden Juden. Erst daraus hat sich das Christentum entwickelt“, sagt die Pastorin und fügt hinzu: „Die hebräische Sprache hat mich von Anfang an fasziniert.“ Nach dem Grundstudium in Marburg ging sie daher von 2001 bis 2002 nach Jerusalem, um ein Jahr an der Hebräischen Universität zu studieren. Sie beendete ihr Studium in Heidelberg und kehrte für ihre Doktorarbeit über „Medizinethische Entscheidungsfindung im orthodoxen Judentum“ von 2008 bis 2010 nach Jerusalem zurück. Dort war sie unter anderem als „visiting research fellow“ am renommierten Schlesinger-Institut für jüdische Medizin-Ethik tätig. Von 2011 bis 2013 führte sie ihr Gemeindevikariat in die Kirchengemeinde Flachsmeer in Ostfriesland.

Nun wird sie erneut nach Jerusalem gehen und ab März vor allem das Programm „Studium in Israel“ leiten. Dieses Programm ermöglicht angehenden evangelischen Theologen ein Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem. Mordhorst-Mayer wird Tutorien zu den Kursen an der Universität anbieten ebenso wie Blockseminare und Exkursionen. Auch Vorträge zu Politik, Gesellschaft und den Religionen in Israel wird sie organisieren. Zusätzlich wird sie als Pastorin an der Erlöserkirche tätig sein und in der „Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache“ Gottesdienste halten, im Gemeindekirchenrat mitarbeiten und Gemeindeabende gestalten. Mit weiteren 15 Prozent wird sie am „Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes“ mitarbeiten und Führungen und Vorträge anbieten sowie bei den archäologischen Lehrkursen mitwirken.

Am Mittwoch, 27. Januar wird Pastorin Dr. Melanie Mordhorst-Mayer um 13 Uhr in einer Andacht in der Kapelle des HkD verabschiedet.