Gewalttaten verurteilt

Nachricht 14. Januar 2016

Frauenwerk und Männerarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers nehmen Stellung zu den sexuellen Übergriffen und Gewalttaten in der Silvesternacht

Das Frauenwerk und die Männerarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers verurteilen die Gewalttaten, die in der Silvesternacht von Männergruppen in Köln und anderen Städten an Frauen verübt wurden. In mehreren hundert Fällen haben die betroffenen Frauen Sexual- und Eigentumsdelikte zur Anzeige gebracht. Die Vorkommnisse sind in keiner Weise hinnehmbar und erfordern sowohl eine konsequente Verfolgung der Straftäter als auch verstärkte Präventionsmaßnahmen.

Es darf nicht sein, dass Frauen sich bedroht fühlen müssen. Jeder Mensch – ob Frau, Mann oder Kind – hat ein Recht darauf, sich im öffentlichen Raum ebenso wie in seinem privaten Lebensumfeld angstfrei zu bewegen und mit Respekt behandelt zu werden. Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist unaufgebbar, ebenso wie die Ächtung jeder Form von Gewalt.

Es wäre verharmlosend, die augenscheinlich verabredeten oder gemeinschaftlich verübten Gewalttaten nur als individuelle Einzelfälle zu verstehen. Die Wirksamkeit normierender Geschlechterbilder in den Tätergruppen ist als Faktor in die Beurteilung einzubeziehen. Andererseits darf es nicht dazu kommen, Männer einer bestimmten Alters- und Herkunftsgruppe generell unter Verdacht zu stellen und zum allgemeinen Risikofaktor zu stilisieren.

Mit Sorge ist zu beobachten, wie aus den Ereignissen politische Forderungen abgeleitet werden, die das gesellschaftliche Klima nachteilig verändern. Schutzsuchende dürfen in Folge der verübten Straftaten keinesfalls einer verallgemeinernden Diskreditierung ausgesetzt werden. Integration ist eine Herausforderung, die auf allen Ebenen geleistet und als gesellschaftliche Gesamtaufgabe verstanden werden muss.

Dazu bedarf es eines umfassenden Bildungsansatzes. In die Vermittlung von Sprach- und Alltagskenntnissen sind von Anfang an die kulturellen Werte der Gesellschaft zu integrieren. Dazu gehört unaufgebbar die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, das Recht auf Selbstbestimmung und der wertschätzende Umgang zwischen den Geschlechtern.

Frauenwerk und Männerarbeit stellen folgende Erfordernisse fest:

  • Aufklärung der gewaltsamen Ereignisse und eine konsequente Strafverfolgung
  • Sicherstellung der notwendigen Hilfe und Unterstützung für die Opfer der Übergriffe
  • Schließung der noch bestehenden Lücken im Sexualstrafrecht
  • Zielgruppenorientierte Gewaltprävention und Einübung von Sozialkompetenz
  • Vermittlung kultureller Werte als integrativer Bestandteil aller Bildungsmaßnahmen
     

Franziska Müller-Rosenau, Landespastorin für Frauenarbeit      

Henning Busse, Landespastor für Männerarbeit