Ruhestand nach 40 Jahren missionarischem Dienst

Nachricht 12. Dezember 2016
Nach 40 Jahren missionarischem Dienst geht Hermann Brünjes in den Ruhestand. Foto: Privat

„Gott hat mir geschenkt, dass die Sehnsucht, Menschen für Christus zu gewinnen, selten gewichen ist“, sagt Hermann Brünjes im Blick auf 40 Jahre Dienst als Diakon und 36 Jahre als Referent der Missionarischen Dienste. Zum 1. März geht er als der dienstälteste Referent des Hauses kirchlicher Dienste (HkD, früher Amt für Gemeindedienst) in den Ruhestand.

1980 wurde Brünjes Referent im damaligen AfG, sein Dienstsitz war das 1979 von Eckard Krause gegründete Missionarische Zentrum in Hanstedt (MZ). „Die ersten 10 bis 15 Jahre dort waren nichts als Aufbruch!“, erinnert sich der Diakon. „Das Missionarische Zentrum wurde aufgebaut. Wir haben abenteuerliche Bibelschulen und Seminarfahrten gemacht. Der Freundeskreis Missionarische Dienste (FMD) entstand. Das Pfingstcamp für Jugendliche, 1978 gegründet, wurde immer beliebter – in den besten Zeiten kamen jährlich 800 Jugendliche.“ Vor allem die Jugendarbeit war ein Schwerpunkt der Arbeit dieser Jahre.

Hausgemeinde und Glaubenskurse

Zum Konzept des MZ gehörte von Anfang an die „Hausgemeinde“, eine Gemeinschaft von jungen Menschen, die ein Jahr zusammen in Hanstedt leben. Sie feiern gemeinsam tägliche Andachten und tragen die Arbeit im Haus mit. So können etwa Konfirmandengruppen dort Freizeiten machen, die von Mitgliedern der Hausgemeinde inhaltlich gestaltet werden. Brünjes hat die jungen Menschen geistlich begleitet, die Team-Entwicklung gefördert und Seminare für sie angeboten. „Von den etwa 300 ehemaligen Hausgemeindemitgliedern, die ich erlebt habe, sind heute ungefähr ein Drittel im kirchlichen und ein Drittel im sozialen Bereich tätig“, freut sich Brünjes.

Ein anderer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Entwicklung von Glaubenskursen. „Ab 1984 haben wir zunächst Glaubenskurse für Jugendliche und Konfirmanden angeboten, später sind daraus auch Kurse für Erwachsene entstanden“, berichtet Brünjes. „Ich habe viel Feuer und Energie da hinein gesteckt. Es ist meine Leidenschaft, Menschen für einen persönlichen Glauben an Jesus Christus zu gewinnen.“ Dabei interessieren ihn vor allem die Menschen, sie sonst keinen Kontakt zu Kirche und Glauben haben. So hat er zum Beispiel zwischen Ebstorf und Hanstedt den „Auferstehungsweg“ mitinitiiert und den „Schöpfungsweg“ unterstützt, Wanderwege, auf denen Bilder und biblische Texte zum Nachdenken einladen. Dafür hat er die örtlichen Tourismuseinrichtungen mit ins Boot geholt. Es entstanden auch ein Projekt zum Valentinstag und „GospelTalk“, ein Glaubenskurs für Mitglieder von Gospelchören.

Anfangs hat der Diakon im kleinen Team gearbeitet und auch viele administrative Aufgaben übernommen. Später kamen weitere Mitarbeiter hinzu und Brünjes konnte sich mehr auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren. Die Arbeit mit Erwachsenen trat mehr in den Mittelpunkt. Als Referent der Missionarischen Dienste reiste er durch die Landeskirche und entwickelte neue Projekte. Das Projekt „Einladende Gemeinde“ berät zum Beispiel Kirchenvorstände, wie sie auf Menschen außerhalb der Kirche zugehen können. Unter dem Titel „einladend predigen“ bot er Predigtschulungen an. In Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum entwickelte er, zusammen mit Kollegen und der Evangelischen Erwachsenenbildung, einen neuen Glaubenskurs, der sich besonders mit den Erkenntnissen der Reformatoren auseinandersetzt. In Anspielung auf die Lutherrose heißt er „Im Zeichen der Rose“.

Die Öffentlichkeitsarbeit für das Missionarische Zentrum war Brünjes immer ein wichtiges Anliegen: Über die Homepage und die regelmäßig erscheinende Zeitschrift „FMD-Impulse“ wurde das MZ als Arbeitsfeld der Missionarischen Dienste nach außen hin sichtbar.

Der Freundeskreis des MZ unterhält seit 1979 eine Partnerschaft zur Good Shepherd Evangelical Lutheran Church (GSELC) in Südindien, die damals als ganz junge Kirche im Aufbau war. Diese Arbeit ist Brünjes sehr an Herz gewachsen, er ist selbst oft in Indien gewesen und wird auf weiterhin dorthin reisen und ehrenamtlich mitarbeiten. „Im FMD gehörten Volks- und Weltmission immer zusammen“, erzählt er. „Die Erlebnisse in Indien haben uns alle sehr geprägt und auch unsere Arbeit hier in Deutschland beeinflusst. Zum Beispiel haben wir in Hanstedt nach indischem Vorbild persönliche Segnungen eingeführt.“

Vor seiner Tätigkeit im MZ war Brünjes vier Jahre Diakon und Kreisjugendwart in Uelzen. Nach dem Realschulabschluss hatte er zunächst eine Lehre als Speditionskaufmann gemacht. Durch Jugend- und Pfadfinderarbeit bekam er mit 19 eine Beziehung zum christlichen Glauben, die schließlich dazu führte, dass er in Wuppertal am Johanneum die Ausbildung zum Diakon machte. Später ließ er sich noch als Coach und MBTI-Trainer ausbilden.

„Ich hatte große Freiheiten“

„36 Jahre lang durfte ich eine tolle, ausfüllende Arbeit machen, immer in Teamarbeit und mit jungen Menschen. Ich hatte große Freiheiten, ich konnte kreativ werden und hatte Experimentiermöglichkeiten“, sagt Brünjes rückblickend auf die Zeit in Hanstedt. „Mir wurde großes Vertrauen entgegen gebracht und ich wurde mit allen Arbeitsmitteln vom HkD wunderbar unterstützt.“

Brünjes hat zwei Kinder aus erster Ehe, mit seiner zweiten Frau zusammen hat er bereits sechs Enkelkinder. Er kümmert sich gern um Haus und Garten, treibt Sport und reist gern. Der 65-Jährige freut sich darauf, im Ruhestand weniger verplante Zeit zu haben. „In Zeiten, in denen keine Termine anstehen, bin ich kreativer!“, sagt der Autor mehrerer Bücher. Neben Glaubenskursen und Büchern zu missionarischen Themen hat er auch mehrere Romane veröffentlicht, die in Indien spielen.

Die Verabschiedung von Hermann Brünjes findet am 17. Dezember um 16 Uhr mit einem Gottesdienst und anschließendem Empfang in der Evangelisch-lutherischen St.-Georgs-Kirche in Hanstedt I statt.