Der Kreis schließt sich

Nachricht 24. August 2016

Im Rahmen des Themenjahres 2016 „Reformation und Eine Welt“ hat die „Internationale Konferenz Christlicher Gemeinden“ (IKCG) eine Studienfahrt nach Wittenberg  durchgeführt. Konzipiert und geplant wurde die Fahrt von Pastorin Sophie Anca mit dem Ziel, im ökumenischen Austausch die Bedeutung der Reformation für die jeweils eigenen Kirchen zu bedenken. 20 Pastorinnen und Pastoren und theologisch Interessierte lernten die Wirkungsstätten der Wittenberger Reformatoren kennen, ließen sich in Gesprächen mit Direktor Hans Kasch (Zentrum des Lutherischen Weltbunds in Wittenberg) und Regionalbischof Dr. Johann Schneider (Propstsprengel Halle-Wittenberg) über Projekte zum Reformationsgedenken und die Situation der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland informieren und kamen in einen intensiven Austausch miteinander.

Reformatorische Gedanken in Finnland und Afrika

In Kurzreferaten und Gesprächen wurde deutlich, auf wie unterschiedlichen Wegen die Gedanken der Reformation Eingang in die Heimatländer der einzelnen Teilnehmenden gefunden hatten: Der finnische Bibelübersetzer und Reformator Mikael Agricola zum Beispiel hatte noch selbst bei Luther in Wittenberg studiert. Ganz anders in Westafrika, wo manche Christen das Auftreten des Evangelisten William Wadé Harris († 1929) als eine Analogie zum Wirken Martin Luthers sehen. Während Luther das Bild eines nach Rache dürstenden Gottes bekämpfte, brachte Wadé Harris vielen die Befreiung von der Angst vor bösen Mächten und Geistern. Die etablierten Kirchen seiner Zeit konnten das Wirken von Wadé Harris nicht verstehen, so dass es zur Gründung unabhängiger afrikanischer Kirchen kam. Eine afrikanische Reformation?

Zersplitterung der Kirchen unausweichlich?

Intensiv diskutiert wurde eine Erfahrung aus Teilen Afrikas, die sich teilweise auch im Bereich von Migrationsgemeinden in Deutschland beobachten lässt: „Jede kleine (neue) theologische Einsicht begründet eine neue Kirche.“  Ist die Zersplitterung der Kirchen unausweichlich, wenn wie im 16. Jahrhundert leidenschaftlich nach der Wahrheit gesucht wird? Und: Wie können heute Abspaltungen allein wegen Stilfragen oder persönlicher Eitelkeit vermieden werden? Die Gemeinden der IKCG jedenfalls sehen sich als Orte der Begegnung, in der unterschiedliche Traditionen und Kulturen respektiert und geachtet werden sollen. Ein Ethnozentrismus ist für diese Gemeinden ebenso eine Sackgasse wie für landeskirchliche Gemeinden.

Große Liebe zu den Christen in Deutschland

Regionalbischof Schneider hatte die Gäste als „lebendige Briefe“ begrüßt und damit auf 2. Korinther 3 angespielt: „Ihr seid ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes.“ Seine Schilderung der mitteldeutschen Kirche in einer der am stärksten säkularisierten Gegenden der Welt zwischen Gottvergessenheit und Lutherversessenheit erschütterte die Gäste: Wie kann es sein, dass es im Land der Reformation heute nur noch so wenige Christen gibt? In den weiteren Gesprächen wurde eine große Empathie und Liebe zu den evangelischen Christen und Kirchen in Deutschland spürbar. Deutlich auch: Die Missionsgründungen von einst werden als Verpflichtung für heute gesehen, den Glauben auch an Deutsche weiter zu geben. Hier schließt sich ein Kreis.

Text: Woldemar Flake, Haus kirchlicher Dienste

Internationale Konferenz christlicher Gemeinden (IKCG)

Die IKCG  ist ein Netzwerk christlicher Gemeinden aus aller Welt, die untereinander und mit der Landeskirche Hannovers eine ökumenische Zusammenarbeit vereinbart haben. Die Mitgliedsgemeinden wollen an der sichtbaren Einheit der Kirche arbeiten und gemeinsam Zeugnis von Jesus Christus ablegen. Sie bringen dazu ihre Frömmigkeit und ihre kulturelle Identität ein und profitieren von den Erfahrungen der anderen Mitgliedskirchen ebenso wie vom Eintreten der Landeskirche für ihre Partnerkirchen in der IKCG.

Webseite der IKCG