Neue Direktorin für Tschernobyl-Hilfe in Weißrussland

Nachricht 21. April 2016

Auf die Frage, ob Sie Kinder habe, antwortet Darya Balotnikava: „Ich habe 600 Kinder, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen“ und lächelt. Die 26-Jährige ist seit Januar Direktorin des Fonds „Gesundheit der Kinder“ in Gomel in Weißrussland und organisiert die Tschernobyl-Kinderhilfe der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers von dort aus mit. Am Mittwoch ist sie in neuer Funktion in Hannover angekommen und wird sich diversen Gremien hier vorstellen. Gleich nach Ankunft begrüßte sie Ralf Tyra, Direktor im Haus kirchlicher Dienste und Lars-Torsten Nolte, Referent für Kinderhilfe Tschernobyl auf deutscher Seite. Vom 1. Juni bis 24. August werden im 26. Jahr über 600 Kinder aus dem Gebiet um den Unglücksreaktor in Tschernobyl mit  fünf Flügen für jeweils vier Wochen in 20 Kirchenkreise der Landeskirche zu einem Ferien- und Erholungsaufenthalt gebracht. 

Balotnikava hat die Aufgabe, die Kinder und ihre Familien in Weißrussland auf die zumeist erste Flugreise ihres Lebens nach Deutschland vorzubereiten, und dafür zu sorgen, dass Pass, Visum und zahlreiche Bescheinigungen (Beispielsweise zu Gesundheit, Schule, Eltern) sowie die Zustimmung von Bildungs- und Gesundheitsministerium für jedes einzelne Kind vorliegen. „Unsere Aktion hat einen guten Ruf, auch weil wir die größten sind“ sagt die Germanistin in fast akzentfreiem Deutsch mit Stolz. „Man nimmt uns in den Behörden ernst“.

Sie selbst war früher als Dolmetscherin bei der Aktion im Emsland wiederholt dabei. Nun folgt sie auf dem Chefin-Posten Natascha Schascholko, die am 1. September vergangenen Jahres an Krebs verstorben ist. Jetzt muss sie während der Aktion im Gomel bleiben und die nächsten Flüge organisieren. Auch hilft sie bei Problemen und sorgt für die Betreuerinnen und Dolmetscherinnen. „Sie sind eine Botschafterin für unser Land und für ihr Land“ sagt Ralf Tyra. Tatsächlich gehört zur Vorbereitung auch interkulturelle Kompetenz: Die Kinder erfahren, dass es in Deutschland nicht täglich Suppe gibt und schon zum Frühstück Würstchen und Kartoffeln. Und wenn Gastgeberfamilien aus Deutschland in Gomel empfangen werden, muss man deutschen Frauen erklären, dass es dort nicht üblich ist, dass Frauen die Hand gegeben wird.

Die Reise nach Niedersachsen ist für die Kinder kostenlos und Balotnikava versucht, vor allem Kinder aus ärmeren und oft ländlichen Orten mitzunehmen. Gleichwohl haben die weißrussischen Familien Kosten, beispielweise für die Pässe und die Beglaubigung der Bescheinigungen.
„Wir freuen uns, dass wir mit Darya Balotnikava eine kompetente und engagierte Person gefunden haben und wir so die Fortsetzung der Ferienaktion sicherstellen können“ sagt Lars-Torsten Nolte.

Am kommenden Dienstag, 26. April jährt sich das Reaktorunglück in Tschernobyl zum 30. Mal und bei einem Gedenkgottesdienst in der Marktkirche Hannover um 18 Uhr predigt Landesbischof Ralf Meister.