Landesbischof besucht Milchbauern

Nachricht 04. September 2015

„Ich brauche 34 Cent pro Liter Milch, um nur die laufenden Kosten zu decken. Ich kriege 30 Cent“, erklärte Eberhard Mysegades, selber „Milchviehhalter aus Leidenschaft“ in Winzlar bei Rehburg-Loccum. Bischof Meister besuchte am Mittwoch, 2. September, dessen Hof und hörte gespannt zu, wie der 62-jährige Hofbesitzer die schwierige Situation der Milchbauern erläuterte. Danach besichtigte der Bischof den Hauptsitz des Milchverarbeitungsbetriebs „frischli“ in Rehburg.

Organisiert hatte den Besuch Pastorin Ricarda Rabe, Referentin für Kirche und Landwirtschaft zusammen mit Peter Greulich, Referent für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt im Haus kirchlicher Dienste.

Mysegades führte Meister über seinen Hof und präsentierte die Melkanlagen, sowie Stallungen der 500 Milchkühe. Von „Massentierhaltung“ wollte er dabei nichts wissen: „Wir halten hier nicht 500 Kühe, sondern 500 mal 1 Kuh“, stellte er fest. Beim Thema Milchpreise berichtete der Hofbesitzer jedoch von etlichen schlaflosen Nächten. Ungefähr 80 Prozent der niedersächsischen Milch sei für Exporte bestimmt, wodurch man Weltmarktpreisen und Schwankungen ausgesetzt sei. Bei vier Cent minus pro Liter Milch beliefe sich sein Verlust auf rund 200.000 EUR im Jahr. Natürlich könne er auch keine VW-Löhne für seine acht Mitarbeiter zahlen, führte Mysegades aus.

Die in der Nähe gelegenen Molkereianlagen der Firma „frischli“ besuchte der Bischof im Anschluss. Meister sprach dabei mit einem der Geschäftsführer Hans Holtorf über das „Risikogeschäft Milch“. Denn seit 2007, also schon deutlich vor Ende der Milchquote, schwankt der Milchpreis stark zwischen 25 und 40 Cent pro Liter. „Hinzu kommen die russische Importsperre, sowie ein schwächelndes China“, wodurch der europäische Milchmarkt auf vielen seiner Produkte sitzen bleibe.

Das ehemalige Familienunternehmen „frischli“ mit 676 Mitarbeitern versucht nun den Spagat zwischen fairen Preisen für seine Milchbauern und Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu meistern. Geschäftsführer Holtorf erklärte das Vorgehen seines Unternehmens: „Wir begegnen den extremen Preisschwankungen durch verschiedene Standbeine. Neben den Standard-Massenprodukten haben wir innovative Angebote für Großverbraucher, wie neue Desserts und Saucen. Des Weiteren passen wir uns an regionale Marktsituationen an: Also verkaufen wir Quarkprodukte vermehrt in Deutschland und Milchpulver vor allem in Amerika und Asien.“ Die Frage Meisters, ob das Produkt Milch, made in Germany, auf dem Weltmarkt mittelfristig eine Zukunft habe, bejahte der Geschäftsführer dementsprechend: „Wir haben natürlich Nachteile am Wirtschaftsstandort Deutschland, wie hohe Energiekosten und Löhne. Aber unterm Strich sind deutsche Molkereien ziemlich effizient.“

In einer abschließenden Diskussionsrunde betonte Bischof Meister noch einmal die Position der Landeskirche. Er forderte klare Regelungen, die die Spekulation mit Lebensmitteln eindämmen und plädierte für einen würdigen und angemessenen Umgang mit Tieren.

Noah Grossmann