Luther auf A6

Nachricht 05. Oktober 2015
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Steffen Marklein von der Hannoverschen Bibelgesellschaft e.V. und Achim Kunze, Referent für Kunst und Kultur im HkD freuen sich offensichtlich auf die Ausstellung im HkD. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

„Luther auf A6“ – es klingt wie die Warnung im Verkehrsfunk. Doch Martin Luther wurde nicht auf einem Seitenstreifen der Autobahn bei Mannheim gesichtet, sondern ist Thema einer Ausstellung im Haus kirchlicher Dienste (HkD): „Der große Reformator und Bibelübersetzer auf A6“ ab 12. Oktober.

60 verschiedene Postkarten wurden abfotografiert und vergrößert und nehmen den Besucher mit auf eine Reise in den Alltag des 19. und 20. Jahrhunderts. Vor 200 Jahren waren bedruckte Karten ein erschwingliches Mittel, um in Briefkontakt zu bleiben.

Der berühmte Mönch von der Wartburg war dabei durch die Jahrhunderte hindurch ein äußerst beliebtes Motiv: Mal steht er aufrecht vor dem Wormser Reichstag, dann sind Menschenmassen bei Fackelumzügen am Martinstag 1934 zu sehen. Der Untertitel der Ausstellung weist auf eben diese Problematik hin: „Lutherinszenierung auf alten Postkarten“.

Achim Kunze, Referent für Kunst und Kultur im HkD, klärt auf: „Es gibt eine lange Tradition, sich auf Luther zu berufen. Er wurde schon immer stilisiert, benutzt und auch missbraucht.“ Anhand der Postkarten aus fast 200 Jahren deutscher Geschichte könne dies lebhaft nachvollzogen werden. So sitzt der Familienvater mal im Kreis der Kinder und spielt die Laute, während er auf einem anderen Bild mutig dem Kaiser entgegentritt.

Kunze ordnet diese vielen verschiedenen Darstellungen ein: „Die Figur Martin Luthers war ein einfacher Weg zur Legitimation.“ Egal ob das Kloster Loccum zur 750-Jahr-Feier oder die nationalsozialistische Propaganda; Martin Luther, fröhlich, melancholisch, forsch oder sitzend unter dem Weihnachtsbaum, wirkte immer gut auf den entsprechenden Postkarten.

Die Ausstellung läuft anhand der historischen Zeichnungen und Drucke die Lebensstationen Luthers ab. Zudem widmet sie sich der Inszenierung der Verehrung Luthers. Besucher können auch sehr gerne heutige Postkarten, die Luther zeigen, noch mitbringen und mitausstellen.

Die Abbildungen der Postkarten stammen aus der Sammlung von Otto May, der zahlreiche Fachbücher über Karten und Propaganda verfasst hat.

Gerade in Anbetracht des Lutherjubiläums 2017 bietet diese Ausstellung eine Möglichkeit „Luther neu zu entdecken“, meint Kunze, der die Ausstellung mit Steffen Marklein von der Hannoverschen Bibelgesellschaft e.V. realisiert hat.
„Wenn wir sehen, wie Luthers Bild benutzt wurde, sollten auch wir uns hinterfragen“, fährt er fort. „Was wollen wir kritisieren, was definiert uns als lutherisch und wo benutzen wir Luther noch heute?“

Die Ausstellung öffnet an Wochentagen von 9 bis 16 Uhr in der Archivstraße 3, im Foyer des HkD bis zum 16. November. Eine Einführung findet at 14. Oktober um 12:30 Uhr statt, danach sind Führungen nach Vereinbarung möglich. Ansprechpersonen sind Steffen Marklein, Steffen.Marklein@evlka.de, 0511/1241447 und Achim Kunze a.kunze@kirchliche-dienste.de, 0511/1241537.

Noah Grossmann