Schön war's hier

Nachricht 09. Oktober 2015

„Der Gottesdienstraum ist wie ein Instrument“, so Achim Kunze, Referent für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD). Wie man diesen Raum nun besonders zum Klingen bringen kann, ihn verschönert, öffnet und gestaltet, war das Thema der Tagung „Schön ist’s hier“ am 7. Oktober in der Marktkirche in Hannover.

Die rund 240 Teilnehmenden hörten zunächst im Plenum zwei Hauptvorträge und saßen in schräg gestellten Stuhlreihen - schon das war ein ungewohnter Raumeindruck. Vor dem Essen im Hanns-Lilje-Haus und am Nachmittag fanden zwei Workshop-Phasen statt. Jeder Teilnehmende konnte zwei der zehn Workshops wahrnehmen, die jeweils zweimal stattfanden. In der Marktkirche bestand nachmittags die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und die Leiter der Arbeitsgruppen an Stehtischen zu einer „Kurzberatung“ anzusprechen. Aufgelockert wurde die Veranstaltung durch musikalische Beiträge. So lud Fritz Baltruweit am Vormittag zwischen den Beiträgen zum gemeinsamen Singen ein. Tangomusik auf dem Akkordeon, gespielt von Goran Stevanovic und Tangotanz mit Manfred Büsing und Sandra Deike begrüßte die Teilnehmer nach dem Mittagessen. Mit ungewohnten Klängen überraschten die vier jungen Streicherinnen des „Quartett PLUS 1“ die Zuhörenden am Ende der Veranstaltung.

Gott begegnen

„Wie gestalten wir unsere Kirchen so, dass Begegnungen mit Gott möglich werden?“, fragte Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt zu Beginn der Tagung. „Gemeindeglieder wollen sich an eine starke, göttliche Schulter anlehnen“, erklärte der Theologe, „und in Kirchen können wir sie finden“.

Dr. Matthias Kannengießer sprach als Präsident der Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in seinem Grußwort den finanziellen Aspekt an: „Da die Steuereinnahmen grundsätzlich positiv sind, gilt das auch für die Kirchensteuer“, erklärte er. Es werde dementsprechend in den kommenden vier Jahren keine weiteren Kürzungen mehr geben. Der vorsitzende Richter einer Kammer für Handelssachen am Landgericht Hannover wünschte sich für die Tagung, dass es „gelingt, Ideen zu entwickeln und weiterzugeben für die Kirchenräume bei Ihnen zu Hause.“

Plädoyer gegen die "Verwohnzimmerung"

Im ersten Hauptvortrag sprach Dr. Markus Zink über die Probleme bei der Schönheit von Kirchen: „Verwohnzimmerung“, „Vereinsheimerung“ und „Musealisierung“ diagnostizierte der Referent für Kunst und Kirche aus Frankfurt vielen Gemeinden und veranschaulichte seine Thesen mit Fotos aus hessischen Kirchengemeinden. Viele Gemeinden nutzten den Kirchenraum als erweiterte Abstellkammer: Portraits verstorbener Pastoren, ein Übermaß an Kerzen, hässliche Stellwände und was sonst noch so übrig geblieben sei, werde in Seitenschiffen, Eingängen und auf Altären abgestellt. Zink forderte einen Mut zur Fremdheit: „Kirchen sind keine Vereinsheime oder Wohnzimmer, sondern Orte zum Beten“, stellte er fest und machte Mut zu starker Kunst und ästhetischen Brüchen. Denn die Kirche sei zwar mitten in der Welt, aber weise gleichzeitig auch über sie hinaus, so der Pastor. „Das Fremde spricht von der Nähe Gottes" bilanzierte er am Ende seines Vortrages. Und genau dieses Fremde wünsche er sich.

Nachhaltiges Bauen: Nutzende in die Planungen miteinbeziehen

Christine Reumschüssel referierte über „Bauliche Kriterien für die Entwicklung von Bestandsgebäuden“. „Wie geht Ihr bei der Planung und Instandsetzung von Gebäuden vor?“, begann die Hamburger Architektin und zählte drei Schritte auf: Bestandsaufnahme, Planungsprozess und Bauphase. In allen drei Phasen sollten, wenn möglich, die späteren Nutzer mit einbezogen werden. „Das ist nachhaltiges Bauen“, sagte Reumschüssel, die sowohl öffentliche Gebäude als auch Hochhausbauten betreut hat. „Denn wenn alle von Anfang an gehört werden, tauchen nicht mitten im Prozess neue Informationen auf, die das Projekt zurück werfen. Auch die Zufriedenheit und Akzeptanz der Beteiligten ist am Ende viel größer.“ So rät sie Gemeinden einen Planungsausschuss einzusetzen, in dem Auftraggeber, Nutzer und Planer zusammen sitzen und dort die Entscheidungsstrukturen von Anfang an zu klären. Gemeindeglieder, Küsterinnen oder Küster: Alle sollten gehört werden.

Bei der Bestandsaufnahme gehe es darum, den ursprünglichen Charakter eines Gebäudes herauszufinden und von dort aus neu zu planen. Die Beteiligten brauchen dabei die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und von dem zu abstrahieren, was dem Einzelnen persönlich gefällt. Wichtig ist auch, sich zu fragen: Was ist das Ziel der Veränderung? Dummies und Visualisierungen helfen in der Planungsphase bei der Entscheidungsfindung, denn so kann man sich besser vorstellen, wie etwas aussehen wird. Auch während der Bauphase müsse der Bauauschuss immer wieder Entscheidungen treffen, etwa, wenn es um die endgültige Farbabstimmung gehe oder beim Bau neue Mängel im Bestand festgestellt wurden, die vorher so nicht zu sehen waren.

Mit Herz und Sinnen

Klaus Stemmann, Fachbereichsleiter im HkD, wünschte den Teilnehmenden zum Abschluss: „Wir hoffen, dass Sie viel mehr mitnehmen, als Sie umsetzen können, damit Sie das Eine, was Ihnen besonders am Herzen liegt, dann tatsächlich in die Tat umsetzen. Bleiben Sie dran!“

"Nicht nur mit Kopf und Verstand, sondern auch mit Herz und Sinnen haben die Teilnehmenden etwas von der geistlichen Kraft und den Möglichkeiten unserer Kirchenräume erfahren. Das wird sich auswirken!", bilanzierte Marion Römer, Referentin für Offene Kirchen im HkD und Mitveranstalterin der Tagung.

Text: Suanne Ruge/Noah Grossmann/HkD