Dirk Stelter wird verabschiedet

Nachricht 01. Oktober 2015
Foto: Jens Schulze/HkD

„Ich habe mich immer gefragt, wo Ökumene gebraucht wird“, erklärt Dirk Stelter im Rückblick auf seine Arbeit. Dann habe man nachgedacht und angepackt, „und wenn die Leute damit arbeiten konnten war ich glücklich“, zieht der Beauftragte für Ökumene im Haus kirchlicher Dienste (HkD) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers Bilanz.

Der 50-Jährige wendet sich einer neuen Aufgabe zu: Ab dem 1. Oktober wird er für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in der Abteilung Ökumene und Auslandsarbeit zuständig sein für Mittel-, Ost- und Südeuropa.

Am Freitag, 2. Oktober wird Stelter in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis um 15 Uhr in einem Gottesdienst verabschiedet werden.

In den letzten knapp neun Jahren war Stelter Ökumene-Beauftragter im HkD. Seine Aufgabe bestand aus der Pflege und Vertiefung von Kontakten der Landeskirche zu anderen Konfessionen und kirchlichen Verbünden, sowohl in Niedersachsen und ganz Deutschland, als auch auf internationaler Ebene.

Dabei wies seine Arbeit in zwei verschiedene Richtungen: Zum einen wirkte er im Dialog mit anderen christlichen Kirchen als Vertreter der hannoverschen Landeskirche; zum anderen half er in der Landeskirche selbst Gemeinden dabei, in Kontakt mit anderen Konfessionen zu treten – durch zahlreiche Arbeitshilfen zum Beispiel. Es war ihm wichtig, Ökumene so zu vermitteln, dass sie in der Ortgemeinde nicht als zusätzliche Last, sondern als Bereicherung wahrgenommen werden kann: „Ich habe erfahren, dass Ökumene unmittelbar hilfreich sein kann für die einzelne Gemeinde. Gemeinsam kann man die Palette der Möglichkeiten erweitern und unterschiedliche Akzente setzen.“

Ein wichtiges Einsatzgebiet Stelters war die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen“, die das ökumenische Gespräch über Fragen des Glaubens, des geistlichen Lebens und des Kirchenverständnisses fördert. Hier setzte Stelter als praktischer Geschäftsführer mehrere Jahre lang Impulse.

So wurde im Mai 2007 für Niedersachsen die Charta Oecumenica in der Marktkirche unterzeichnet: 23 Kirchen legten Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa fest – wie „miteinander beten“, „Europa mitgestalten“, „Völker und Kulturen versöhnen“ funktionieren könne.

Auch rief Stelter die „Internationale Konferenz Christlicher Gemeinden im Bereich der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers“ mit ins Leben. Sie möchte die Zusammenarbeit der Migrationsgemeinden untereinander stärken und ihnen „eine Stimme geben“. „Das globale Christentum ist mittlerweile in Niedersachsen angekommen“, sagt der 50-Jährige. „Unsere Landeskirche tut gut daran, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und sie zu mitzugestalten.“

Passend dazu entwickelte er zusammen mit seinem Kollegen Lars-Torsten Nolte die Ausstellung „Gesichter des Christentums“, in der Christen verschiedener Konfessionen und Nationalität aus Niedersachsen porträtiert werden. Die 2013 eröffnete Ausstellung ist bereits bis 2016 ausgebucht. An vielen ökumenischen Kooperationen war Stelter ebenso federführend beteiligt, so etwa am Kongress Kirche2 oder den Schöpfungstagen 2009 und 2015.

Der Kontakt zu Christen in anderen Ländern begleitet den gebürtigen Hannoveraner schon seit seinem Zivildienstzeit, den er von 1984 bis 1986 beim Evangelischen Jugenddienst für Ost-West-Begegnungen und in der Kirchengemeinde Friedland leistete. In dieser Zeit begleitete und leitete er Jugendbegegnungsreisen nach Bulgarien, Rumänien, Polen und in die damalige Tschechoslowakische Sozialistische Republik.

Der zweifache Familienvater, der bis 1994 in Hamburg, Göttingen, Grenoble (Frankreich) und Philadelphia (USA) studierte, blickt dankbar und glücklich auf die vergangenen Jahre: „Ich habe mich orientiert am Paradigma einer ‚Ökumene der Sendung‘: Als verschiedene Kirchen sitzen wir im gleichen Boot, haben den gleichen Auftrag und können uns hierbei bereichern, unterstützen und vertreten.“

Und doch schaut er auch mit einem weinenden Auge zurück: „Die Vernetzungen im Haus kirchlicher Dienste und Partnerschaften in den Fachbereichen werden mir fehlen.“

Aber natürlich freue er sich nun sehr auf die neuen Aufgaben: In gewisser Weise schließt sich der Kreis, wenn Stelter in der EKD für die Bereiche Ost-, Mittel und Südeuropa zuständig sein wird. „Menschen in verschiedenen Kulturen zu begegnen“, das reize ihn besonders. Und neue Sprachen zu lernen.

Mit russisch hat er schon angefangen.

Noah Grossmann