Flüchtlingsarbeit im Haus kirchlicher Dienste

Nachricht 19. November 2015
Lars-Torsten Nolte, Referent für Migration und Integration im Haus kirchlicher Dienste moderierte die Veranstaltung zur Flüchstlingsarbeit im Haus kirchlicher Dienste. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Welche Aktivitäten und Angebote des Hauses kirchlicher Dienste gibt es für die Arbeit mit Flüchtlingen? Bei einer Veranstaltung am 16. November, zu der alle Mitarbeitenden des Hauses eingeladen waren, war eine große Vielfalt zu sehen: Unter anderem gibt es Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern, ein mehrsprachiges Andachtsbuch, Projekte zur Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und zum Kennenlernen des deutschen Handwerks. Viele laufende Programme nehmen die Thematik auf.

Dr. Christoph Künkel, Vorstandssprecher des Diakonischen Werkes evangelischer Kirchen in Niedersachsen, stellte die Grundlinien der landeskirchlichen Haltung zum Thema vor. „Am meisten geschieht in den Gemeinden vor Ort,“ betonte Künkel zu Beginn. Wichtig sei es, in den Flüchtlingen die individuellen Menschen mit einem jeweils eigenen Schicksal zu sehen. „Man kann sich die Einsamkeit dieser Menschen kaum vorstellen. Die meisten kommen ohne Familie und den Zusammenhang ihres Ortes. Sie sind vollkommen auf sich selbst gestellt.“ Helfer ständen in der Gefahr genau zu wissen, was für „die Flüchtlinge“ gut sei und ihnen Hilfe überzustülpen, statt sie selbst zu fragen, was sie brauchen.

Vier kirchliche Handlungsfelder

In vier kirchliche Handlungsfelder gliedern sich die Aktivitäten, wie sie auch der Landessynode ab 24. November in Aktenstück 11a vorgelegt werden.

  • Erstens geht es darum, Begegnungen im Alltag zu schaffen und die Begleitung von Flüchtlingen durch Ehrenamtliche zu fördern.
  • Zweitens gibt es diakonische Aufgaben in den Aufnahmestellen.
  • Einen dritten Schwerpunkt bildet die Bildungsarbeit, sowohl Bildung für Flüchtlinge selbst, vor allem in Form von Sprachkursen, als auch die Befähigung von Ehrenamtlichen zur Begleitung von Flüchtlingen.
  • Eine vierte, langfristige Aufgabe besteht darin, Foren zur Diskussion der Entwicklung in der Gesellschaft anzubieten, um so Ängsten zu begegnen und eine multikulturelle Gesellschaft zu befördern. Hier besteht ein großer Diskussionsbedarf,  so Künkel: „Wie stellen wir uns eine integrative Gesellschaft eigentlich vor?“

Vorhandene Kompetenzen nutzen

Auf landeskirchlicher Ebene sollen vor allem vorhandene Kompetenzen genutzt werden. Entsprechend setzen die verschiedenen Arbeitsfelder des HkD ihre vorhandenen Programme ein und entwickeln neue Aktivitäten. Ziel ist immer die Stärkung und Unterstützung von Aktivitäten vor Ort.

Arbeitsfeld Migration und Integration

Das Arbeitsfeld „Migration und Integration“ hat unter der Leitung von Lars-Torsten Nolte bisher vier ganztägige Tagungen zur Unterstützung und Fortbildung Ehrenamtlicher angeboten. Es ging um Handlungsmöglichkeiten und Rechtsfragen. Weitere Veranstaltungen sind in Planung, auch in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung.

In Zusammenarbeit mit anderen entstand auch die Broschüre „Flüchtlinge in Niedersachsen. Was kann ich tun?“ mit Tipps und Informationen für (ehrenamtliche) Begleiterinnen und Begleiter von Flüchtlingen. Dieses Heft hat starken Absatz gefunden (gedruckte Auflage 38.500 Exemplare).

Aufgrund der Nachfrage aus den Gemeinden ist in Kooperation mit dem Bistum Hildesheim und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen ein mehrsprachiges Andachtsbuch entwickelt worden, das demnächst erscheinen wird. Alle Texte sind hier in sieben Sprachen abgedruckt, unter anderem auch in Arabisch und Tigrinya. Beteiligt an der Redaktion waren Vertreter aus  „Gemeinden anderer Sprache und Herkunft“ und der „Internationalen Konferenz Christlicher Gemeinden“ in Niedersachsen. Sie bieten auch regelmäßig interkulturelle Gottesdienste an, so zuletzt am 8. November zur Flüchtlingsthematik. Weitere übersetzte Liturgien gibt es aus anderen Landeskirchen. Sie können auch über das HkD bezogen werden.

Bücherei- und Medienarbeit

Das Arbeitsfeld „Bücherei- und Medienarbeit“ will evangelische Büchereien mit Literaturlisten versorgen und für interkulturelle Bibliotheksarbeit schulen. 

Migration und Integration, Kirche und Islam, Kirche und Judentum, Östliche Religionen

Die Ausstellung „Gesichter des Christentums“, bei der 30 Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen aus Niedersachsen porträtiert wurden, enthält auch Geschichten über Fluchterfahrungen. Eine weitere Ausstellung wird zurzeit von den Arbeitsfeldern, „Kirche und Islam“, „Kirche und Judentum“ und „Östliche Religionen“ entwickelt: Unter dem Titel „Religramme. Gesichter der Religionen“ werden 20 Menschen aus sechs großen Religionen, die in Niedersachsen vertreten sind, vorgestellt werden. Neben der stationären Ausstellung vor Ort bietet das Projekt die Gelegenheit auf der Social-Media-Plattform „instagram“ mit zu machen. Schirmherren sind Ministerpräsident Weil und Landesbischof Meister. Diese Ausstellung wird am 18. Januar im Rathaus von Wolfsburg eröffnet werden und kann danach ausgeliehen werden. Bevorzugt ist an eine Präsentation in nichtkirchlichen Räumen gedacht.

Seit über zwanzig Jahren wird in den genannten Arbeitsfeldern der interkulturelle und interreligiöse Dialog gepflegt. Diese Kompetenz ist angesichts der aktuellen Entwicklung besonders wichtig und stark nachgefragt.

Friedensarbeit

Lutz Krügener vom Arbeitsfeld „Friedensarbeit“ stellte mehrere, bereits bestehende Programme vor, die auch gut im Zusammenhang der Flüchtlingsthematik eingesetzt werden können. So wird „Schritte gegen Tritte“ seit Jahren erfolgreich in Schulen und im Konfirmandenunterricht eingesetzt und ist weit mehr als eine Präventionsmaßnahme gegen Gewalt. „Vorfahrt für Vielfalt“ will die Teilnehmenden für einen Umgang auf Augenhöhe mit Menschen anderer Kulturen sensibilisieren.

Die Initiative „Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus“ kann angefragt werden, wenn das Flüchtlingsthema missbraucht wird, um politisch rechte Ziele zu verfolgen.

Kirche und Handwerk

Lernwerkstätten für Flüchtlinge wird das Arbeitsfeld „Kirche und Handwerk“ unter Federführung von Handwerkspastor Claus Dreier in kommunalen Einrichtungen ins Leben rufen. Ehrenamtliche Handwerker bieten Flüchtlingen an, sich im Umgang mit Werkzeug zu üben und deutsche Sicherheitsstandards kennenzulernen. Vorbild dafür ist eine Initiative aus Schwäbisch Gmünd. Erste Werkstätten sind in Ostfriesland im Aufbau.

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KdA)

Das Projekt „Ponte – Flüchtlingspaten – Brücken in den Arbeitsmarkt“ hat Waltraud Kämper vom „Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt“ (KDA) ins Leben gerufen. Das Projekt  bringt qualifizierte Flüchtlinge und Unternehmen zusammen, die bereit sind, Flüchtlinge einzustellen. Ehrenamtliche Paten begleiten die Flüchtlinge auf ihrem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt. Mit 22 solchen Tandems ist die Initiative als Pilotprojekt gedacht, das auch an anderen Orten durchgeführt werden kann.

Landesjugendpfarramt

In vielen Fällen engagieren sich junge Menschen in Gemeinden und Kirchenkreisen in der Flüchtlingsarbeit vor Ort, manche machen eigene Angebote. Landesjugendpastorin Cornelia Dassler berichtete, dass  Landesjugendkammer zu einem Commitment aufgerufen hat, in nächster Zeit einen persönlichen Kontakt zu geflüchteten Menschen zu suchen. Begleitend sind Jugendliche aufgerufen, unter dem Hashtag #DieMischungmachts selbst aufgenommene Bilder zu veröffentlichen, die eine bereichernde Mischung darstellen. „Die Mischung macht’s“ ist auch das Thema des Landesjugendcamps 2016. Die internationale Woche im Vorfeld des Camps setzt sich thematisch mit dem Thema Flucht und Fluchtursachen im internationalen Kontext mit den Beteiligten aus den Partnerländern auseinander.

Daneben ist eine Arbeitshilfe zusammengestellt worden, die insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hilfreich sein können. Die Öffnung von Angeboten der Jugendarbeit ist beschlossen, kann aber nur da wirksam werden, wo Kinder und Jugendliche unter der Flüchtlingen diese auch nutzen möchten und sie ihren Bedarfen entsprechen. Insbesondere für das Angebot der Freizeiten gilt, dass hier die rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind.

Besuchsdienst

Mit den Ängsten und Gedanken der Gemeindeglieder beschäftigt sich die neueste Arbeitshilfe der Besuchsdienstarbeit „Wenn Fremdes uns herausfordert – Fremden und Fremdem begegnen“. Helene Eißen-Daub, Referentin für Besuchsdienstarbeit, hat in vielen Arbeitskreisen vor Ort große Resonanz auf die Fragestellungen erlebt. Gerade Menschen, die Besuche machen und vielen verschiedenen Meinungen begegnen, sind dankbar für dieses Angebot, sich selbst mit den eigenen Fragen und Ängsten auseinandersetzen zu können.

Ansprechpartner im HkD

Weitere Initiativen können über Lars-Torsten Nolte gebündelt werden, der zusammen mit Prof. Dr. Wolfgang Reinbold und Waltraud Kämper zur landeskirchlichen Steuerungsgruppe „Migration“ gehört. Sie stehen für alle Fragen zur Verfügung.

Weitere Informationen zu den einzelnen Arbeitsfeldern

Webseite Willkommen evangelisch

Die Präsenz "Willkommen evangelisch" fasst die News rund um die Hilfe für Flüchtlinge zusammen, die auf Webpräsenzen in Wir-e veröffentlicht werden. Sie bietet auch Hintergrundinfos und Gemeindebriefvorlagen.

"Willkommen evangelisch" auf "Wir-e"