Mit den Möglichkeiten eines Menschen arbeiten

Nachricht 22. Dezember 2014
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Helene Eißen-Daub ist die neue Referentin für den Besuchsdienst. Foto: Gunnar Schulz-Achelis

Rund 10.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Besuchsdienst der hannoverschen Landeskirche unterwegs und suchen Menschen zu hohen Geburtstagen auf, wenn sie Kinder im Konfirmandenunterricht haben, neu zugezogen sind oder sie nicht mehr ihr Haus verlassen können. Die Besuchsdienstmitarbeitenden und vor allem ihre Besuchsdienstkreisleitenden haben ab Februar eine neue, hauptamtliche Ansprechpartnerin im Haus kirchlicher Dienste: Die 57-jährige Helene Eißen-Daub tritt die Nachfolge von Siegfried Rupnow in der Besuchsdienstarbeit der evangelisch-lutherischen Landeskirche an. Die Pastorin kann ihre umfassenden Erfahrungen und Ausbildungen in die neue Aufgabe einbringen.

So hat sie eine klinisch Seelsorgeausbildung absolviert und eine Weiterbildung in „systemisch-lösungsorientierter Kurztherapie, Familientherapie und Beratung“. Man entwickelt dabei mit dem Gesprächspartner Ziele und Lösungen und sieht nicht auf Defizite. „Jeder Mensch hat Ressourcen und mit denen arbeiten wir erst einmal“ erklärt Eißen-Daub den Grundgedanken. Im Gespräch mit dem Besuchten kann es also um die Frage gehen: „Wie schaffe ich den Alltag zu bewältigen?“ Neben dem tiefenpsychologischen Ansatz, den sie genauso schätzt, möchte Eißen-Daub dies in die Besuchsdienstarbeit einbringen. Die Ehrenamtlichen können mit der Haltung zu den Haustüren gehen: „Wo sind die anderen gerade gedanklich? Was können wir von ihnen aufnehmen und lernen für unsere kirchliche Arbeit?“ Entsprechend versteht sie Besuche im Rahmen einer „interessierten Begegnungskultur“. Dies hat sie und weitere neun Kirchenmitarbeiter in einem Kurs mit Abschluss als „Besuchsdienstreferentin“ bis 1992 gelernt. Die Absolventen haben sich dann in ihren jeweiligen Kirchenkreis oder Sprengel um Besuchsdienstkreisleiter gekümmert und sie geschult.

Eißen-Daub wird solche Fortbildungen nun mit ganzer Stelle intensivieren und zweimal im Jahr in allen Sprengeln Treffen anbieten, die Themen haben wie: Zuhören, Besuchsdienst als Seelsorge, Trauernden begegnen, Wohnen im Alter oder „der Glaube ist immer im Gespräch“. Zunehmend bieten auch Kirchenkreise einen „Besuchsdienst-Tag“ an mit einem Vortrag und einigen Workshops zur Auswahl.

Einige Besuchsdienstkreise spezialisieren sich auf bestimmten Zielgruppen, wie Menschen in Altenheimen oder im Krankenhaus oder solche, die an ihr Haus gebunden sind. Andere gehen gezielt auf Konfirmandeneltern oder Neuzugezogene zu.

Findet man in den Kirchengemeinden genug Mitarbeitende für den Besuchsdienst? Eißen-Daub ist da optimistisch: Zunächst sollte man Personen gezielt und freundlich ansprechen, ihnen ein Fortbildungsangebot machen und sie dann in aller Freiheit fragen: „Ist das etwas für Sie?“ Dieses Ehrenamt sollte attraktiv, freiwillig und selbstbestimmt sein.

Die gebürtige Ostfriesin arbeitete zunächst in der Kirchengemeinde Sandhorst bei Aurich gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Peter Daub, der nun kürzlich nach Hannover als Vorstand der Dachstiftung Diakonie gewechselt ist. Helene Eißen-Daub hatte nach der Zeit in Ostfriesland viele Jahre als Schulpastorin in Beverstedt und zuletzt in Verden gearbeitet und neben dem Religionsunterricht Lehrern und Schülern als Seelsorgerin zur Verfügung gestanden.

Privat freut sie sich auf Kino, Theater und klassische Konzerte in Hannover und ist neuerdings auch als Großmutter gefragt.