Integration – eine bleibende Aufgabe

Nachricht 23. Februar 2015

Kirche trifft Kurdirektoren in Tidofeld

„Flucht und Vertreibung sind leider auch in unseren Tagen hochaktuelle Themen“, sagte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr. Als Vorsitzender des Arbeitskreises „Kirche im Tourismus“ begrüßte er rund 20 Gäste auf dem Empfang des Sprengels Ostfriesland-Ems für die Kurdirektoren und Vertreter von Tourismusorganisationen in der Region. Die Begegnung zwischen Kirche und Tourismus fand in der Gnadenkirche Tidofeld statt, in der Dokumentationsstätte zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Niedersachsen und Nordwestdeutschland.

„Diese Dokumentationsstätte lädt dazu ein, sich dem Thema Flucht, Vertreibung und Integration auf ansprechende Weise zu nähern. Viele Urlauber sind auch an der Geschichte einer Region interessiert, in der sie ihren Urlaub verbringen“, so Klahr weiter. In den Berichten des Superintendenten für den Kirchenkreis Norden, Dr. Helmut Kirschstein, und dem neuen Geschäftsführer der Dokumentationsstätte, Gerhard Robbe, wurde deutlich, dass es an diesem Ort nicht allein um das Gedenken an Flucht und Vertreibung in Folge des Zweiten Weltkriegs gehe. Gerade in der Arbeit mit Schulklassen sei es wichtig, herauszustellen, dass das Thema Integration eine bleibende Aufgabe ist. „Wie gehe ich mit Fremden um? Wie hilft man sich gegenseitig?“, seien Fragen, die den Schülern hier gestellt würden, so Robbe. „Das Thema Integration wird uns weltweit auch noch in hundert Jahren beschäftigen“, sagte Kirschstein. Wie Integration gelingen konnte, das sei der Schwerpunkt dieser Ausstellung. Der deutsch-polnische Jugendaustausch werde durch den Verein „Gnadenkirche Tidofeld“ gefördert. Dabei sollten die schmerzhaften Themen der Vergangenheit nicht ausgeblendet werden.

Die Ausstellung biete etwas für jede Generation und sei auch für Touristen interessant. Davon konnten sich die Vertreter von Tourismusorganisationen persönlich überzeugen und machten Vorschläge für eine bessere Vernetzung der Arbeit, damit mehr Touristen von der Dokumentationsstätte erfahren könnten. Sie wurde im November 2013 unter der Schirmherrschaft von Landesbischof Ralf Meister und Ministerpräsident Stephan Weil eingeweiht.

Der Verein „Gnadenkirche Tidofeld e.V.“ hatte nach einer achtjährigen Planungszeit die Ausstellung eröffnen können. Der Verein geht zurück auf eine im Jahr 2005 eingerichtete Projektgruppe des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Norden. In Tidofeld war in den Jahren 1946 bis 1960 eines der größten Flüchtlingslager in Niedersachsen. 1200 Menschen lebten hier zur gleichen Zeit und insgesamt 6000 Personen fanden hier ein Zuhause. Die Ausstellung veranschaulicht mit modernsten Multimedia-Mitteln die größte Zwangsmigration in der europäischen Geschichte. Die persönlichen Erfahrungen werden durch Zeitzeugeninterviews vorgestellt. Der Einsatz von Filmen stellt sich besonders auf die jugendlichen Besucher ein und führt die aktuelle Bedeutung der Integration anhand globaler Entwicklungen vor Augen. Ältere Besucher werden besonders durch die persönlichen Exponate angesprochen, die an die eigene Kindheit erinnern.

Vorbereitet wurde die Begegnung zwischen Vertretern aus Kirche und Tourismus von dem zuständigen Referenten für Kirche im Tourismus Region-Nord in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Pastor Hartmut Schneider.

Diakon Klaus Stemmann, leitender Referent von „Kirche im Tourismus“ im Haus kirchlicher Dienste, war aus Hannover angereist und berichtete vom Start einer neuen Kirchenführerausbildung im April. Kirchenführungen für Touristen anzubieten, sei wichtig, da die Gotteshäuser im Urlaub attraktive Ausflugsziele seien.

Im nächsten Jahr findet der Empfang des Sprengels Ostfriesland-Ems für Kurdirektoren und Vertreter von Tourismusorganisationen am 25. Februar
2016 in Leer zum Thema „Kirchenpädagogik“ statt.