Im Zeichen der Rose

Nachricht 02. Dezember 2015
Bevor Hermann Brünjes die befreiende Wirkung des Bußsakraments verdeutlichte, sammelte er typische Weisen des Umgangs mit Schuld und heftete entsprechende Kärtchen an eine Tür ...

Die Vorbereitungen zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 laufen längst auf Hochtouren. Dabei geht es nicht nur um den Blick in die Geschichte. Eine wichtige Frage lautet vielmehr: Welche Impulse gibt die Reformation dem Glauben heute?

Antworten vermittelt ein neuer, vierteiliger Kursus, sein Motto erinnert an die das Siegel Martin Luthers: „Im Zeichen der Rose“. Das Modell wurde von den Missionarischen Diensten im Haus kirchlicher Dienste Hannover (HkD) in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung in Niedersachsen (EEB) erarbeitet. Dazu gehört ein abschließender Gottesdienst, in dem die vier Grundthemen noch einmal wiederkehren.

... dahinter: ein festlich gedeckter Tisch, symbolisch für die Einladung Gottes. Fotos: Hartmut Merten

Hermann Brünjes (Missionarische Dienste) hat nun gemeinsam mit Melanie Beiner, Amelie zu Dohna, Philipp Elhaus und Frieder Marahrens wichtige Einsichten der Reformation in ein Bildungsformat gegossen. Um das Modell auf seine Praxistauglichkeit zu testen, startete der Diakon aus Hanstedt bei Uelzen jetzt einen Probelauf in der Lüneburger Paulusgemeinde. „Im Kurs geht es um reformatorische Themen, die für unseren heutigen Alltag von Bedeutung sind“, erläutert Brünjes das Konzept. Dabei gehe es nicht in erster Linie um die Glaubenslehre der Reformatoren oder die Geschichte der Reformation. Vielmehr wollten die Autoren Alltagsfragen heutiger Menschen mit reformatorischen Grundeinsichten in Beziehung setzen.

Von wem lasse ich mir etwas sagen? Welche Bedeutung hat Arbeit für uns? Wie gehe ich mit Schuld und Versagen um? Was können wir dazu beitragen, Zeichen der Hoffnung zu setzen? Vor 500 Jahren hätten die Reformatoren zu diesen Fragen wichtige Hinweise gegeben. „Und wir beziehen diese auf uns, unsere Lebenswelt und aktuellen Herausforderungen“, erklärte Brünjes.

So bot beispielsweise ein Videoclip mit dem wegen Steuerhinterziehung verurteilten früheren FC Bayern-Boss Uli Hoeneß den Einstieg ins Thema Schuld. Anhand von Äußerungen weiterer prominenter „Sünder“ sollten die Teilnehmer zunächst typisch menschliche Mechanismen des Umgangs mit Schuld erkennen. Stichworte wie Ausreden, Banalisieren oder Relativieren wurden auf Karten an eine Tür geheftet, in Anlehnung an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg. Hinter der einen Spalt breit geöffneten Tür stand ein festlich gedeckter Tisch mit Blumen, einer brennenden Kerze und zwei Gläsern Rotwein: Eine verlockende Einladung. Das Leben der Christen sollte eine Buße sein, erklärte Brünjes ein zentrales Thema Martin Luthers. Wie wohltuend die in der Beichte zugesprochene Vergebung ist, konnten die Teilnehmer schließlich auch anhand von Ritualen der Versöhnung erleben.

Der Kursus versteht sich als Beitrag der hannoverschen Landeskirche zum Reformationsjubiläum. Er kann von Kirchengemeinden oder anderen kirchlichen Bildungsträgern, aber auch beispielsweise in Hauskreisen genutzt werden. Zur Durchführung empfehle sich ein kleines Team zur Verteilung der Aufgaben, sagt Brünjes. Das Heft mit Material-DVD erscheint voraussichtlich Ende Februar 2016 als Arbeitshilfe der EEB und kann dort oder über das Haus kirchlicher Dienste bezogen werden.

Text: Hartmut Merten in Evangelische Zeitung vom 29. 11. 2015

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