Neue theologische Referentin im Frauenwerk

Nachricht 27. April 2015
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Bettina Rehbein ist seit dem 13. April neue Theologische Referentin im Frauenwerk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Foto: Jens Schulze

Das Frauenwerk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat mit Bettina Rehbein seit dem 13. April eine neue theologische Referentin. Rehbein bringt ein breites Spektrum an beruflicher Erfahrung mit.
Als theologische Referentin wird sie in Zukunft Veranstaltungen für Multiplikatorinnen organisieren und durchführen, etwa den Glaubenskurs des Frauenwerkes weiterentwickeln oder Vorträge zu theologischen und sozialethischen Themen halten. Die Begleitung von Ehrenamtlichen gehört ebenso zu ihren Aufgaben wie die Vernetzung mit anderen Einrichtungen der Frauenarbeit.
 

Lust am theologischen Fragen und Denken

Bettina Rehbein wuchs in einer Arbeiterfamilie in Essen auf. „Dieser Hintergrund hat mich geprägt“, sagt die Theologin. „Ich musste darum kämpfen, dass ich als Mädchen neben vier Brüdern überhaupt Abitur machen durfte!“ Daher ist Bildung für sie ein großes Privileg. „Mir ist es wichtig, durch Lernen, Lesen und Verstehen den eigenen Horizont zu erweitern!“

Die Lust am theologischen Fragen und Denken hat sie durch ihr Theologiestudium bis heute begleitet. In Heidelberg lernte sie gleich zu Beginn ihres Studiums die feministische Theologie kennen. In Berlin engagierte sie sich im christlich-jüdischen Dialog, der ihr bis heute ein Herzensanliegen ist. „Im Judentum liegen unsere Grundlagen. Wir müssen immer wieder neu buchstabieren, was das für die christliche Theologie heute bedeutet.“ In Göttingen schließlich begeisterte sie Prof. Dr. Hannelore Erhart für die reformierte Theologie. Die Geschichte von Frauen im Pfarramt war dort ebenso Forschungsgegenstand wie gesellschaftlich-relevante Themen, etwa Pränataldiagnostik und andere Fragen der (Bio-)Ethik.

Nach dem Studium entschied sich Rehbein 1989, ihr Vikariat in der Evangelisch-reformierten Kirche Nordwestdeutschlands zu machen, auch weil ihr Ehemann reformierter Pastor ist. Nach dem Vikariat in drei Dorfgemeinden im Umkreis von Göttingen wurde sie als Pastorin im Hilfsdienst an verschiedenen Orten eingesetzt: als Pastorin im Gemeindepfarramt, als Krankenhausseelsorgerin und als Inspektorin des Reformierten Studienhauses in Göttingen. Während dieser Jahre war sie immer in der Frauenarbeit engagiert. „Mir hat es schon immer Freude gemacht, das Evangelium so zu verkündigen, dass es auch die Frauen auf dem Dorf verstehen können – und vor allem zu hören, was die Frauen im Kontext ihrer Lebenswelten selbst zu sagen haben“ – so Rehbein. „Die Vereinbarung von beruflicher Arbeit mit der Haus-und Erziehungsarbeit für die drei Kinder einer Pfarrfamilie war oft ein Spagat.“

Als Rehbein wegen des zehnjährigen Stellenstopps in der Reformierten Kirche im Jahr 2003 nicht in den regulären Pfarrdienst eintreten konnte, nutzte sie die Zeit zu weiteren Qualifikationen. Sie bildete sich zur Pastoralpsychologin fort und machte eine Ausbildung als Supervisorin und Psychodramatikerin. Daraufhin arbeitete sie freiberuflich als Supervisorin für ehrenamtliche Teams im Hospizbereich und für Gesundheitsteams in der Palliativmedizin. Ein weiteres freiberufliches Standbein war ihre Tätigkeit als Verfahrensbeistand für Kinder und Jugendliche im Familiengericht. Verfahrensbeistände treten als „Anwälte“ der Kinder auf und versuchen zum Beispiel in Scheidungsfällen den Willen und das Wohl der Kinder herauszufinden. „Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht immer einfach ist“, sagt Rehbein rückblickend.

Freude an der Teamarbeit

„Für mich stand schon länger fest, dass ich mir auch gut eine Tätigkeit in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche vorstellen kann“, betont Rehbein. Die Stelle als theologische Referentin im Frauenwerk gab dann den Anstoß, sich zu bewerben. „Mich reizt es, in Teams haupt- und ehrenamtlich tätiger Frauen Kirche zu gestalten. Ich möchte dazu beitragen, dass Frauen in unserer Kirche gestärkt werden und das theologische Futter nie ausgeht.“ Auch die Möglichkeit, Brücken zur Arbeit mit Männern und Älteren sowie zum Besuchsdienst zu schlagen, findet Rehbein attraktiv. Diese Arbeitsfelder bilden im Haus kirchlicher Dienste den Fachbereich „Arbeit mit Erwachsenen“. Vor allem aber freut Rehbein sich darauf, wieder theologisch zu arbeiten. Ob das nun die Begleitung interessierter Frauen oder die Mitarbeit an kirchlichen Stellungnahmen und Materialien ist, Rehbein hat die Lust am theologischen Denken und Fragen immer beibehalten. „Das Wort ist doch das Brot, dass uns nährt!“, so die 52-Jährige.