Initiative Gemeinwesendiakonie

Nachricht 23. April 2015
Peter Meißner wird ab dem 1. Juni das Projekt "Initiative Gemeinwesendiakonie" auf den Weg bringen. Foto: Jens Schulze

Das Projekt „Initiative Gemeinwesendiakonie“ wird Peter Meißner ab dem 1. Juni 2015 in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aufbauen. Meißner wird im Haus kirchlicher Dienste (HkD) tätig sein und beratend durch das Diakonische Werk in Niedersachsen unterstützt werden. Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD wird das Projekt wissenschaftlich begleiten.

„Es war ein längerer Weg, um dieses Projekt auf den Weg zu bringen“, so Christoph Künkel, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. „Doch es wird sich lohnen, denn Gemeinwesendiakonie lohnt sich. Darum geht es: Kirchengemeinden gestalten den Stadtteil, das Dorf zusammen mit anderen. Dabei kann man entdecken: Diakonie ist kirchliche Arbeit, die Kirchengemeinden profiliert. Wer sich gemeinwesendiakonisch auf den Weg macht, entdeckt die Möglichkeiten, wie sich Kirche zum Wohle der Menschen einbringen kann. Darauf wollen wir Lust machen."

Erfahrungen aus Diakonie und Kirchenvorstandsarbeit

Der Diplom-Sozialpädagoge Peter Meißner wird nun die konkrete Umsetzung dieses Projektes koordinieren. Meißner arbeitet seit 20 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe für das Diakonische Werk Stadtverband Hannover. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er unter anderem seit dem Jahr 2000 das Projekt „Kontraktmanagement in der Erziehungshilfe“ mit aufgebaut. Die Jugend- und Familienhelfer sind in einem Stadtteil eingesetzt und achten besonders darauf, wie Ressourcen erschlossen werden können, um Institutionen und Personen im Stadtteil im konkreten Fall mit einzubeziehen. „So wird der Stadtteil als Sozialraum betrachtet und in die Erziehungshilfe und Erziehungsarbeit mit einbezogen“, sagt der 48-Jährige. Das ist eine Perspektive, die er auch in das neue Projekt mit einbringen möchte. „Ich möchte Kirchengemeinden für die Ressourcen und Potentiale begeistern, die in ihrer Gemeinde und in ihrem Dorf oder Stadtteil verborgen sind. Es ist gut, wenn Kirchengemeinden vor Ort Verantwortung übernehmen und das soziale Leben in ihrem Umfeld mit gestalten wollen.“

Nebenberuflich arbeitet Meißner seit 16 Jahren als Bildungsreferent für den Verein Mannigfaltig e. V. Dort ist der Vater zweier Söhne vor allem in der Jungenarbeit tätig. Er bietet Seminare und Projekte an, zum Beispiel Selbstbehauptungskurse für Jungen und macht Bildungsarbeit an Schulen.

Meißner hat sich auch aufgrund seines ehrenamtlichen Engagements für die neugeschaffene Stelle qualifiziert. Er ist seit neun Jahren im Kirchenvorstand der Markusgemeinde in Hildesheim tätig, wo er den Diakonieausschuss leitet. „Wir haben das Projekt ‚Markusschwester‘ ins Leben gerufen“, erzählt er. Das Projekt lehnt sich an die Gemeindeschwestern an, die es früher in vielen Kirchengemeinden gab. Doch die Markusschwester ist nicht für die Pflege einzelner Personen zuständig, sondern baut als Netzwerkerin Strukturen auf, die diakonisches Handeln innerhalb der Kirchengemeinde ermöglichen: etwa einen Mittagstisch für einsame Menschen aus der Gemeinde, Nachbarschaftshilfe oder einen Besuchsdienstkreis.

Viele Formen der Gemeinwesendiakonie denkbar

Viele andere Formen von Gemeinwesendiakonie sind denkbar. Zum Beispiel könnte der Kirchenkreissozialarbeiter eine Sprechstunde in den Räumen der Kirchengemeinde anbieten. Menschen die Hilfe brauchen, zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen, können diese dann in ihrem Dorf bekommen, statt den weiten Weg in die nächste Stadt zurücklegen zu müssen. „Es geht um die Bedürfnisse, die in jeder einzelnen Gemeinde bestehen“, sagt Meißner. „Dabei ist der erste Schritt immer, zu schauen und wahrzunehmen, was es schon gibt. Welche Fähigkeiten sind vorhanden, welche Institutionen gibt es vor Ort? Das schafft eine neue Sicht auf die eigene Gemeinde. Wir gehen viel zu oft von dem aus, was schlecht läuft und was fehlt.“ Meißner möchte hier gerade auch Institutionen, Betriebe und Bereiche mit in den Blick nehmen, die bisher in Kirchengemeinden noch nicht so große Beachtung gefunden haben. Dies könnten zum Beispiel Sportvereine, Handwerksbetriebe oder Wohnungsbaugenossenschaften sein.

Meißner wird mit vielen unterschiedlichen Menschen, Gemeinden, Verbänden und Initiativen zusammenarbeiten. „Zunächst wird es darum gehen, Kontakte zu knüpfen und Ansprechpartner zu finden“, sagt Meißner. „Für das konkrete Projekt sollen dann zehn Kirchengemeinden ausgewählt und auf ihrem gemeinwesendiakonischen Weg begleitet werden.“ Die Erfahrungen aus dem Projekt werden in Zusammenarbeit mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD ausgewertet werden.