Vision vom Reich Gottes statt Rassismus

Nachricht 02. Juli 2015
Sichtlich Spaß hatten beim Gespräch mit der bekannten britischen Theologin Bev Thomas (Mitte) im Haus kirchlicher Dienste (von links) Pastorin Bettina Rehbein, Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer, Landespastorin Franziska Müller–Rosenau und Diakonin Hannelore Köhler. Foto: Gunnar Schulz-Achelis

Die britische Theologin und ordinierte Pastorin Bev Thomas besuchte am 28. Juni das Frauenwerk in Hannover. Bev Thomas, Tochter jamaikanischer Eltern, lebt und arbeitet in Großbritannien. Sie ist Beraterin für soziale Fragen und Anti-Rassismus-Trainerin. An verschiedenen englischen Universitäten bildet sie zukünftige Pfarrerinnen und Pfarrer  für den Dienst in der multikulturell geprägten englischen Gesellschaft aus.

 

Rassismus beginnt mit den Bildern im Kopf

„Als ich ein Kind war“, erzählt Bev Thomas: „hatte ich Bücher, Filme und Geschichten – und niemals sahen die Akteure aus wie ich, niemand hatte eine dunkle Haut so wie ich.“ In Literatur und Kunst, in Werbung und Berichterstattung wurde und wird mit Klischees und Stereotypen gearbeitet – und durch die häufige Verwendung derselben Stereotypen sinkt die Chance, neue Bilder zu implementieren.  „Fast überall versuchen Menschen, ihre Haut zu bleichen, um heller zu sein – denn eine hellere Haut wird als Vorteil wahrgenommen – und das nicht nur dort, wo helle und dunkle Hautfarben auftreten, sondern auch in Gesellschaften, in denen die  Menschen überwiegend schwarz sind.“ Rassismus beginnt mit den Bildern im Kopf, prägt das Zusammenleben und -arbeiten im Alltag und zielt auf eine hierarchische Weltordnung. „Dann werden beispielsweise Flüchtlinge und MigrantInnen hauptsächlich unter der Perspektive betrachtet, dass sie Hilfe und Unterstützung brauchen, die der reiche Westen geben oder vorenthalten kann. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass auch wir etwas von ihnen bekommen und lernen und wir einander auf Augenhöhe begegnen könnten“ sagt Landespastorin Franziska Müller-Rosenau, Leiterin des Frauenwerks der Landeskirche.

Ein Gegenbild - Die explosive Kraft der Johannes-Apokalypse

Bev Thomas setzt dabei in ihren Trainings auf die explosive Kraft der Vision vom Reich Gottes, wie sie etwa in der Johannes-Apokalypse entworfen wird: Wertmaßstäbe sollen auf den Kopf gestellt, die Machtverhältnisse umgekehrt und die Gewalten besiegt werden. Johannes bewegt die christliche Gemeinde zu einem radikalen Vertrauen und einer radikalen Veränderung im Leben. Fremde und Arme sollen nicht länger ausgegrenzt und unterdrückt,  sondern Machthaber verunsichert werden. Wo dies geschieht, bricht das Reich Gottes neu an, jetzt und hier.