Neue Gedenkkultur am Volkstrauertag

Nachricht 18. November 2014

Friedensbeauftragter Krügener im epd-Gespräch mit Karen Miether

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Bild: Lutz Krügener, Friedensbeauftragter in der Hannoverschen Landeskirche. Foto: HkD

Das Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren bietet nach Ansicht des Friedensbeauftragten in der hannoverschen Landeskirche, Lutz Krügener, auch Chancen, den Volkstrauertag neu zu beleben. "Mit der traditionellen Form des Volkstrauertages gewinnen wir junge Menschen nicht mehr", sagte Krügener im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. "Das ist schade, denn damit verliert der Tag die Bedeutung als bleibende Mahnung für den Frieden, der den Rückblick und die Trauer mit einschließt."
 

Jugendliche am Gedenken beteiligen

Krügener warb dafür, Jugendliche daran zu beteiligen. Dies geschehe bereits an manchen Orten, zum Beispiel, indem Schüler die Geschichte ihres Heimatortes erforscht hätten und Ergebnisse vorstellten. Außerdem könnten Flüchtlingsinitiativen einbezogen werden, die über Flucht und Vertreibung heute berichten könnten.

Kriegerdenkmäler und Gedenktafeln umgestalten?

Es gehe aber auch um die Frage, ob Kriegerdenkmäler und Gedenktafeln, von denen die meisten nach dem Ersten Weltkrieg aufgestellt wurden, neu gestaltet werden müssten. "Diese Gedenkorte sollten Orte der Trauer bleiben, aber sie sollten zugleich äußerlich erkennbare Mahnorte des Friedens werden", unterstrich der evangelische Pastor. Die traditionellen Gedenktafeln mit den Namen der im Ersten und Zweiten Weltkrieg gestorbenen Soldaten könnten durch weitere Denkmale ergänzt oder zumindest mit Schrifttafeln kommentiert werden.

Dafür hat der Friedensbeauftragte positive Beispiele gesammelt. Dazu zählt die Corvinius-Gemeinde in Erichshagen-Wölpe bei Nienburg. Dort wurde eine neue Gedenkstätte errichtet. Sie enthält auf verschiedenen Glas-Stelen neben den Namen der Kriegstoten unter anderem das Wort "Frieden" in verschiedenen Sprachen.

Gegen solche Umgestaltungen gebe es aber auch Widerstände, sagte Krügener. Manche empfänden es als eine Entehrung der Toten, wenn neben den Soldaten zum Beispiel die Namen anderer Kriegsopfer aufgenommen würden. "Aber auch Deserteure sind ganz eindeutig Opfer des Krieges", betonte er.

Heutige Aktualität

Es sei aber durchaus problematisch, wenn neben Opfergruppen wie den ermordeten Juden zugleich die Täter genannt würden, zu denen auch Soldaten zählten. Darüber zu diskutieren, verleihe jedoch dem Gedenken Aktualität und weite den Blick auf heutige Opfer von Krieg und Vertreibung. "Es geht um Trauer und eine Mahnung für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen. Wir sagen dies auch in den Worten beim Volkstrauertag, es muss aber in den Riten und der Gestaltung der Gedenkorte sichtbar werden."

Quelle: Evangelischer Pressedienst, Landesdienst Niedersachsen/Bremen 17.11.14