Werte und Wirtschaft

Nachricht 27. Oktober 2014

Pastor Stephan Eimterbäumer wirkt im kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt

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Foto: Jan Vetter

Welche Wertmaßstäbe können in der Wirtschaft gelten? Wie können Führungskräfte ethisch fundierte Entscheidungen treffen? Mit solchen Fragen befasst sich der evangelische Pastor Stephan Eimterbäumer, seit zwei Jahren für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in Südniedersachsen tätig. Eimterbäumer hat sein Büro in Göttingen, ist aber zusammen mit Peter Greulich zuständig für den gesamten Kirchenbezirk Hildesheim-Göttingen. 

Er bemühe sich in seiner Arbeit, den Kontakt zu drei unterschiedlichen Gruppen zu halten, erklärt Eimterbäumer: zu Arbeitnehmern und Gewerkschaftsvertretern, zu Führungskräften und Unternehmern und zu Kirchengemeinden sowie zu Kirchenkreisen, sofern sie Menschen im Beruf ansprechen wollen. Wenn bei Veranstaltungen der Brückenbau zwischen den Gruppen gelinge, sei das ein gutes Ergebnis.

Der Pastor organisiert unter anderem Betriebspraktika für Pastoren und Theologiestudenten und Betriebsbesuche. Außerdem bietet er Pilgertouren für Berufstätige an. Dabei kämen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen miteinander ins Gespräch, sagt Eimterbäumer. In der Stephanusgemeinde in Geismar hat er mit Pastorin Adelheid Ruck-Schröder eine Gesprächsreihe zum Thema Beruf und Leben auf die Beine gestellt. Gastgeber-Paare haben dabei in ihrem Wohnzimmer über beruflichen Erfahrungen gesprochen – über das, was am Beruf fasziniert, aber auch über Erfahrungen des Scheiterns.

Aus den geknüpften Kontakten ergeben sich manchmal besondere Termine. So wurde Eimterbäumer von einem Betrieb nach dem Suizid eines Mitarbeiters gebeten, das nächste Teamtreffen zu begleiten. Der Pastor gab dem Treffen, für das als Ort ein Kloster gewählt wurde, einen geistlichen Rahmen.

Eimterbäumer bereitet in Göttingen mit dem DGB den Gottesdienst zum 1. Mai vor. Für Verantwortliche aus Unternehmen bietet er Klosterabende mit einem thematischen Impuls an. Der Pastor verweist zudem auf Programme, bei denen Auszubildende oder Führungskräfte für eine begrenzte Zeit in diakonische Einrichtungen wie Bahnhofsmission oder Straßensozialarbeit gehen, um neue Erfahrungen zu machen. Der KDA veröffentlicht darüber hinaus Hefte zu Themen wie Reichtum, Leiharbeit oder die Arbeit der Zukunft. Auch Einzelberatungen bietet Eimterbäumer an.

Wirtschaft müsse, um menschlich zu bleiben auch „ein Stück Ineffizienz zulassen“, meint der Pastor. Er verweist auf den in der Bibel gebotenen wöchentlichen Ruhetag. Er verschaffe den Menschen die Gelegenheit, einmal durchzuschnaufen und auch, sich Gott zuzuwenden. Es gebe eine gute Grenze für die beständige wirtschaftliche Optimierung, sagt Eimterbäumer. Eine kurze Auszeit auf einer Pilgertour könne zudem auch zu einer neuen Leichtigkeit im Blick auf den eigenen Beruf führen.

Die Wirtschaft als dominanten Sektor der Gesellschaft müsse die Kirche wahrnehmen, so Eimterbäumer. Die Frage nach der eigenen beruflichen Existenz sei zudem oft mit der Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens verbunden. In diesen Bereichen wolle die Kirche Impulse zu einem verantwortlichen Handeln geben – dies macht Eimterbäumer unter anderem auch in Andachten und Vorträgen.

Kontakt: Pastor Stephan Eimterbäumer, Telefon 0551/50429145. Eine Pilgerreise auf dem Münchner Jakobsweg bietet Eimterbäumer vom 11. bis 16. Mai 2015 an.

Text: Jörn Barke, Göttinger Tageblatt, 25.10.2014