Handwerkspastor geht in den Ruhestand

Nachricht 14. November 2014
"Handwerkspastor" Walter Punke blickt zurück auf die Stationen seiner Berufstätigkeit. Im Hintergrund ein Bild des Hafens von Stade. Foto: Susanne Ruge

Pastor Walter Punke, seit 2009 tätig für das Arbeitsfeld Kirche und Handwerk im Haus kirchlicher Dienste, geht zum Ende des Jahres in den Ruhestand.

„Durch seine Kompetenzen als ‚Netzwerker‘ ist es Pastor Walter Punke gelungen, die Kontakte zwischen Kirche und Handwerk sowie zu den Handwerksorganisationen zu festigen und weiterzuentwickeln“, sagt Michael Klatt, Landessozialpfarrer im Haus kirchlicher Dienste.

Offene Türen für den „Handwerkspastor“

Die Grundlage von Punkes Arbeit waren Besuche in Handwerksbetrieben und der direkte Kontakt zu den dort verantwortlich Leitenden wie zu den Beschäftigten. „Ich habe fast immer offene Türen angetroffen“, so Punke, der seine Aufgabe selbst als „Hingeh-Arbeit“ bezeichnet. „Immer wieder habe ich handwerkliche Betriebe besucht, um einen Eindruck der Arbeitswirklichkeit und Kontakt zu den Menschen vor Ort zu bekommen.“ Dabei hat er sich jedes Jahr ein anderes Thema vorgenommen, etwa Betriebe, die ausbilden oder solche, die von einer Frau geleitet werden. In diesem Rahmen kam es oft zu seelsorgerlichen Gesprächen, etwa zur Frage der Betriebsnachfolge, zu Generationenkonflikten innerhalb des Betriebs oder zu der Angst vor dem Scheitern.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des „Handwerkspastors“ war die Teilnahme an Freisprechungsfeiern. Das Ende der Gesellenzeit ist für junge Menschen ein wichtiger Übergang ins Berufsleben. „Ich möchte Menschen an den Schnittstellen des Lebens begegnen“, sagt Punke, „mit ihnen auf dem Weg sein, eher als Fragender denn als einer mit fertigen Antworten.“ So hat Punke viele Freisprechungsfeiern und Meisterbriefübergaben mitgestaltet als Redner, aber auch mit seiner theologischen Kompetenz für Rituale.

„Dass ich selbst einmal in einem ‚normalen Arbeitsverhältnis‘ gestanden habe, war schon ein vertrauensbildendes Element für die Arbeit im Bereich Kirche und Arbeitswelt“, sagt Punke im Rückblick. Er hat zwei Jahre bei der Deutschen Bahn gelernt und noch ein knappes Jahr dort gearbeitet. Durch den damaligen Vikar Hans-Georg Pape in Hannover-Stöcken und die kirchliche Jugendarbeit wurde er dann dazu ermutigt, Pastor zu werden. Nach dem Studium an der Theologischen Akademie in Celle und Hermannsburg war er von 1976 bis 1982 Gemeindepastor in Schmalförden im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz. Danach arbeitete er von 1982 bis 1989 als Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Celle.

Wertschätzender Umgang mit Arbeit

Von 1992 bis 2009 war Punke Theologe für den „Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt“, schwerpunktmäßig in den Sprengeln Lüneburg und Stade. Ging es in dieser Aufgabe eher um große wirtschaftliche Betriebe, so standen in den letzten sechs Jahren kleine und mittlere Betriebe im Focus. In beiden Aufgabenfeldern ging es Punke darum, christliche Werte und die spirituelle Dimension von Arbeit ins Gespräch zu bringen. „Es gibt keine Bundesligatabelle der Wertigkeit von Arbeit, jede Arbeit hat ihre Würde!“, betont Punke. „Deshalb füge ich dem Spruch ‚Gott segne das ehrbare Handwerk‘ gern den Satz hinzu: Ich wünsche mir, dass Segen auf jeder Form von Arbeit liegt.“

Ein gutes Betriebsklima, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeit und Gesundheit, das sind Themen, die Walter Punke für unsere heutige Arbeitswelt am Herzen liegen. So hat er das Beratungsprogramm „Prima Klima“ ins Leben gerufen, das einen wertschätzenden Umgang zwischen Mitarbeitenden fördern möchte. Hier kam ihm seine jahrzehntelange Erfahrung bei der Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung zugute und seine Kompetenz in der Moderation von Prozessen. Mit diesem Beratungsprogramm war Punke auch an dem Forschungsgebiet „Achtsamkeit in Organisationen“ der Arbeitswissenschaft an der Universität Bremen beteiligt.

Als Geschäftsführer des ökumenischen Landesarbeitskreises Handwerk und Kirchen in Niedersachsen (LAK) organisierte Punke etliche Fachveranstaltungen sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer aus der Handwerkerschaft. Themen waren beispielsweise "Wie ticken junge Leute?" oder "Was ist Arbeit wert?“, der Veranstaltungsort etwa ein Baubetrieb. Auszubildende des Zimmererhandwerks lud Punke zu Kirchenerkundungen ein, bei denen die jungen Zimmerleute nicht nur die Dachkonstruktion einer Kirche kennenlernten, sondern auch die besondere Atmosphäre des Kirchenraums erlebten.

Über viele Jahre nahm er außerdem im Fachbereich „Kirche.Wirtschaft.Arbeitswelt“ im Haus kirchlicher Dienste die stellvertretende Leitung wahr. „Er war bei der Mitarbeiterschaft des Hauses wegen seiner offenen und gradlinigen Art ein sehr geschätzter Kollege“, so Landessozialpfarrer Klatt.

Beratungstätigkeit weiterführen

Seinen Ruhestand wird Punke in Stade verbringen, wo er mit seiner Frau bereits seit einigen Jahren in einem Senioren-Wohnprojekt lebt. „Für mich ist der Schritt in den Ruhestand daher nicht auch noch durch einen Wechsel der Wohnsituation belastet“, sagt Punke. Das gibt ihm die Freiheit, auch in Zukunft das zu tun, was ihm besondere Freude macht: „Ich möchte die Beratungstätigkeit in begrenztem Rahmen weiterführen. Wie und wo, das wird sich finden.“

Am Mittwoch, 3. Dezember, um 15 Uhr wird Walter Punke in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover mit einem Gottesdienst und Empfang verabschiedet. Neben Kolleginnen und Kollegen sowie Wegbegleitern werden auch führende Vertreter der niedersächsischen Handwerkerschaft in Hannover erwartet.