Mit theologischer Leidenschaft

Nachricht 02. Dezember 2014
Pastorin Anne Rieck wird Krankenhaus-Seelsorgerin. Foto: Jens Schulze

Pastorin Anne Rieck verlässt das Frauenwerk und das Haus kirchlicher Dienste. Die bisherige theologische Referentin im Frauenwerk der Hannoverschen Landeskirche wird zu Jahresbeginn einen Seelsorgeauftrag im Kirchenkreis Hittfeld übernehmen. Zu ihren Aufgaben gehören die seelsorgerische und gottesdienstliche Versorgung der psychosomatischen Klinik Ginsterhof in Tötensen und des stationären Hospizes in Buchholz sowie die Präsenz in der „spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung“ im Kirchenkreis Hittfeld.

Die Geistliche wird mit einem Gottesdienst am Dienstag, 16. Dezember in Hannover verabschiedet. In den acht Jahren im Frauenwerk im Haus kirchlicher Dienste hat Anne Rieck unter anderem für das Fernstudium feministische Theologie und für die Arbeitshilfen zum alljährlichen Frauensonntag, sowie als Autorin vieler Arbeitshilfen und Rednerin bei Frauenfrühstücken und in Frauengruppen verantwortlich gezeichnet und in der Hannoverschen Landeskirche Bekanntheit erlangt.

"Ich wollte wissen, was bleibt"

Die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod im Rahmen einer Krankenpflegeausbildung hat in jungen Jahren ihr Interesse für Theologie geweckt. "Ich wollte wissen, was bleibt. Worauf kann ich mich verlassen, wenn ich sterben muss?" Sie begann das Theologiestudium in Hamburg mit der Vorstellung am Ende Krankenhausseelsorgerin zu werden.

Nach Abschluss des Studiums aber ging sie zunächst für neun Jahre ins Gemeindepfarramt. "Die Arbeit als Gemeindepastorin hat mir überraschend viel Spaß gemacht" meint sie schmunzelnd. So wirkte sie lange in Meckelfeld, machte aber nebenbei eine klinischen Seelsorgeausbildung. Zudem initiierte sie zusammen mit dem Diakonischen Werk und der Leiterin der örtlichen Diakonie- und Sozialstation ein Projekt mit ehrenamtlichen Besuchsdienstmitarbeitenden im Kirchenkreis Hittfeld, um sie für seelsorgerische Besuche in Gemeinden zu qualifizieren.

Begeisterung für die Erwachsenenbildung

2006 kam sie in das Haus kirchlicher Dienste in Hannover. "Erwachsenenbildung mache ich furchtbar gerne" sagt sie und „nirgendwo habe ich bisher so viele Bibel- und Theologiehungrige Ehrenamtliche getroffen wie im Frauenwerk“. Im Rahmen von Seminartagen, Gesprächsabenden, Vortragsveranstaltungen, Wochenendveranstaltungen und Bibelbildungswochen arbeitete sie mit engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen an Grundthemen biblischer Theologie und führte sie in aktuelle Debatten feministischer und geschlechterbewusster Theologien ein. Sie organisierte und leitete vier Kurse des bundesweit angebotenen Bildungsprogramms „Fernstudium feministischer Theologie“ in der Hannoverschen Landeskirche. Zwei Jahre war sie zudem im Präsidium der "Evangelischen Frauen in Deutschland e.V.“ aktiv. Die kritische Positionierung zu Organtransplantation, die der Dachverband von 38 evangelischen Frauenverbänden 2013 veröffentlicht hat, hat sie mit angeregt und in den letzten beiden Jahren diverse Vorträge zu diesem Thema gehalten. In vielen Gremien hat sie die Sache der Frauen vertreten und hat zusammen mit der Leiterin des Frauenwerks, Landespastorin Franziska Müller-Rosenau einen Glaubenskurs in feministisch-kontextueller Perspektive entwickelt.

Diese sagt: „Theologische Leidenschaft, eine tiefe Sehnsucht nach Gottes Wort und Lebensweisung, sowie sprühende Begeisterung und manchmal feministischer Kampfgeist: all das konnten wir bei Anne Rieck finden. Damit hat sie nicht nur die Teilnehmerinnen des Fernstudiums Theologie feministisch angesteckt, sondern oft auch uns Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich. Diese Spur wird bleiben, und dafür sind wir von Herzen dankbar!“

Mit der Krankenhausseelsorge schließt sich ein Kreis

Nun wird Anne Rieck doch Krankenhaus-Seelsorgerin. In der Klinik ist sie Mitglied der Krankenhaus-Leitung und wird für die Patienten, die in der Regel 4 bis 6 Wochen im Haus sind, Gesprächsabende und Gottesdienste anbieten, zusammen mit ehrenamtlich Mitarbeitenden ein Kulturprogramm organisieren und dabei auch die bestehende gute Kooperation mit der örtlichen Kirchengemeinde weiterführen. Für die Klinik-Mitarbeitenden steht sie als Gesprächspartnerin und ggf. auch als Seelsorgerin zur Verfügung. Im stationären Hospiz in Buchholz wird sie für die Gäste und Angehörigen ansprechbar sein, Segensrituale und Aussegnungen anbieten und regelmäßig an den Dienstbesprechungen des Pflegeteams teilnehmen. Im Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung wird Anne Rieck „Neuland“ betreten und gemeinsam mit den jeweiligen beruflichen und ehrenamtlichen Teams an Vernetzungen, sowie seelsorgerischen und geistlichen Begleitungsangeboten arbeiten. Bei Bedarf wird sie auch supervisorische Tätigkeiten für die verschiedenen Pflegeteams und Hospizgruppen übernehmen.

So schließt sich für die 57-jährige Mutter zweier erwachsener Söhne, die einst durch das Grenzgebiet zwischen Theologie und Medizin zum Pastorinnenberuf kam, ein Kreis.

Verabschiedung am 16. Dezember 2014

Im Gottesdienst am 16. Dezember um 15.30 Uhr in der Neustädter Hof- und Stadtkirche, Rote Reihe 8, wird sie von Oberkirchenrätin Dr. Heike Köhler verabschiedet. Ein Empfang im benachbarten Leibnizsaal, zu dem viele in der evangelischen Kirche engagierte Frauen erwartet werden, schließt sich an.

Das Haus kirchlicher Dienste unterstützt und ergänzt als übergemeindliche Einrich-tung die Arbeit der Kirchengemeinden in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Aktuelle Themen und Fragestellungen werden hier aufgegriffen und zentral bearbeitet, so dass die Inhalte für die kirchliche Arbeit vor Ort zur Verfügung stehen. Zu den wesentlichen Aufgaben der Referentinnen und Referenten gehören die Entwicklung und Bereitstellung von Materialien, die Weiterbildung von Haupt- und Ehrenamtlichen, die individuelle Beratung sowie der inner- und außerkirchliche Dialog.